Missbrauch von Schülern gefilmt: Unterländer Lehrer vor Gericht

Ein Unterländer Lehrer ist teils wegen Vergewaltigung und Missbrauch von 48 Schülern angeklagt. Eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher wurde beantragt.

Symbolfoto.
© TT/Thomas Böhm

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Im bislang größten bekannten Missbrauchsfall in der Tiroler Schulgeschichte wurde von der Staatsanwaltschaft Innsbruck Anklage gegen einen 39-jährigen Lehrer aus dem Unterland erhoben.

Ein Schöffengericht wird sich am 16. November mit einem Fall von bislang ungekannter Dimension befassen. So wird dem einst ausgezeichneten Pädagogen Vergewaltigung, mehrfach geschlechtliche Nötigung, wiederholter sexueller Missbrauch wehrloser Personen, in 15 Fällen schwerer sexueller Missbrauch, pornografische Darstellung Minderjähriger, Missbrauch des Autoritätsverhältnisses und zuletzt Verstoß gegen das Datenschutzgesetz vorgeworfen.

Staatsanwalt Hansjörg Mayr gestern auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung: „Seit 2009 listet die Anklage 48 Opfer auf. Viele der missbrauchten Buben waren erst 13 Jahre alt.“ Der Fall lässt tief blicken. So hatte der Pädagoge Schüler nicht nur missbraucht, sondern von ihnen auch Dutzende Videos von sexuellen Handlungen von oder auch mit Schülern angefertigt. Heimlich hatte der 39-Jährige dazu von den Ahnungslosen Aufnahmen beim Duschen oder am WC hergestellt. Wenigstens gibt es keine Hinweise dafür, dass der Unterländer dieses Bild- und Videomaterial weitergegeben hätte. Die Kameras waren übrigens raffiniert versteckt – teils als Ladegerät oder Taschenrechner getarnt. Sogar im Schul-WC hatte der Lehrer eine als Rauchmelder getarnte Kamera angebracht.

Mit Versprechungen hatte der Lehrer seine Opfer in seine Wohnung gelockt und dort teils mit Alkohol gefügig gemacht oder auch mit Nachteilen in der Schule gedroht, wenn sie seinem Drängen nicht nachgekommen waren.

Anfang des Jahres schöpfte eine Mutter Verdacht und entschloss sich glücklicherweise zur Anzeige. Noch am selben Tag wurde der Lehrer in Untersuchungshaft genommen.

Ihm drohen 15 Jahre Haft und Anstaltseinweisung. So besteht bei dem Zurechnungsfähigen die Gefahr, dass er aufgrund einer Persönlichkeitsstörung weiter solche Taten begehen könnte. Es gilt die Unschuldsvermutung.


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