„Zaza“ als Saisoneröffnung am Theater an der Wien

Schon das dritte Mal hat sich nun in Wien eine junge Dame der Halbwelt zunächst verliebt, um dann alsbald von ihrem Partner verlassen zu werden. Nachdem die Staatsoper mit „Madama Butterfly“ als Eröffnungspremiere vorgelegt und die Volksoper mit „Sweet Charity“ fortgesetzt hatte, komplettierte am Mittwoch das Theater an der Wien mit Saisonpremiere Nr.1, der Preziose „Zaza“, das traurige Damentrio.

Ruggero Leoncavallo ist eines der größten One-Hit-Wonder der Operngeschichte. Seinen „Bajazzo“ kennt so ziemlich jeder Operngänger. Anders ist das bei seiner „Zaza“, der Geschichte eines gleichnamigen Varietestars, die sich in den Geschäftsmann Milio verliebt, der allerdings in Paris seine Familie hat, woran die Liebschaft der beiden schließlich zerbricht. 1900, acht Jahre nach dem „Bajazzo“ uraufgeführt, ist somit auch die „Zaza“ in der Theaterwelt angesiedelt und ebenso wie der ungleich erfolgreichere Vorgänger ein Schmachtfetzen im besten Sinne. In düsteren Zeiten kann das Schwelgen im Gefühlsbad ja hin und wieder auch Balsam für die Seele sein.

Musikalisch ist die „Zaza“ dabei durchaus ansprechend, setzt auf lange Läufe und Erinnerungen an Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ oder manch Operette der Silbernen Ära. Anders als im „Bajazzo“ fehlt aber eine dezidierte Schmachtarie wie „Vesti la giubba“ als Kulminationspunkt - wohl eine der Erklärungen für den mittlerweile Exotenstatus des Werks.

Dass es dabei auf der Bühne nicht mit kitschigem Weichzeichner zugeht, dafür sorgt im Theater an der Wien wieder einmal Christof Loy. Nicht ganz so radikal wie bei seiner Salzburger „Cosi“ setzt der 57-jährige Regisseur aber doch wieder auf weiße Wände in reduzierter Raumausgestaltung, wenn das Werk in alter Boulevardtradition im Backstagebereich des Varietes spielt. Er verlässt sich ganz auf seine exzellente Personenführung. Nur die Pariser Wohnung des zu seiner Familie zurückgekehrten Liebhabers Milio ist in der Tradition einer Anna Viebrock als Spießerresopaltraum eingerichtet.

In dieser Atmosphäre liefert neben zahlreichen Stammgästen wie einem stets durchschlagkräftigen Christopher Maltman vor allen Svetlana Aksenova ein fulminantes Hausdebüt ab. Mit ihrem dunkel grundierten Sopran macht sie ihre Zaza zu einem differenzierten Charakter zwischen Kindsfrau und dramatischer Diva. Sie ist weniger eine Italo-Carmen als eine Isabelle Huppert und damit letztlich eine moderne Frau, die sich von ihrem untreuen Liebhaber am Ende trennt und sich nicht umbringt. Vielleicht ist aber der Grazer Nikolai Schukoff als Liebhaber Milio mit nasaler, brüchiger Höhe auch einfach nicht der Tenor, für den man sich am Ende umbringt.

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