Tiroler Tourismusobmann will Gäste in Lokalen registrieren lassen

Die verpflichtende Registrierung von Gästen in der Gastronomie will Mario Gerber, frisch gewählter Obmann der Sparte Tourismus der Tiroler Wirtschaftskammer (WK), jetzt doch durchsetzen.

Wer eine Bestellung aufgibt, soll in Lokalen gleich namentlich registriert werden. Maske am Sitzplatz ist nicht notwendig.
© Getty Images/iStockphoto

Von Verena Langegger

Innsbruck – Die verpflichtende Registrierung von Gästen in der Gastronomie will Mario Gerber, frisch gewählter Obmann der Sparte Tourismus der Tiroler Wirtschaftskammer (WK), jetzt doch durchsetzen. Erst im Mai hatte die Regierung diesen Plan nach Protesten der Gastronomie nicht durchgesetzt – „nicht durchführbar“, hatte es damals geheißen.

Mario Gerber (WK Tourismus): „Touristen müssen mit weniger Ballermann und dafür mit mehr Naturerlebnis auskommen.“
© Hammerle

Für Gerber gilt das jetzt nicht mehr. „Der Gast braucht Sicherheit und muss sicher sein.“ Nur so könnten Coronavirus-Infektionsketten in Lokalen relativ unkompliziert zurückverfolgt werden. So könnten etwa Postkarten zusammen mit der Bestellungen ausgegeben werden, um Namen und Telefonnummern von Gästen zu erhalten. 80 Prozent der Gäste hätten aber wohl ohnehin ein Smartphone, eine Registrierung via App bzw. QR-Code wäre dann kein Problem, vermutet Gerber. Diese Apps zur Nachverfolgung könnten laut Gerber schnell entwickelt werden. Für Gerber sind „Aufrufe zur Gesundheitsüberprüfung“ für Lokalbesucher zu wenig konkret, um Gästen Sicherheit zu bieten. Die Registrierung sollte freiwillig erfolgen, die Daten würden zumindest 14 Tage aufbewahrt. Sollte es keine bundesweite Regelung geben, will Gerber auch einen Tiroler Alleingang, er ortet Zustimmung unter Tiroler Gastronomen.

Die Reisewarnung, wie sie von Deutschland und Belgien für Wien ausgegeben wurde, bezeichnet er als „moderne Wirtschaftskriegsführung“. Wie bereits berichtet, befürchtet Gerber bei einer roten Corona-Ampel den „Tod des Tourismus“.

Auch bundesweit werde er „die Interessen des Tourismus mit starker Stimme vertreten“. Kommende Wochewerde der Gesundheitsminister Regeln für den Wintertourismus verkünden. Und darin seien „Tiroler Forderungen zu 99 Prozent umgesetzt“. Es brauche rasche Planbarkeit für den Wintertourismus, sagt Gerber. Der Winter stehe mit der Saisoneröffnung in Sölden in vier Wochen vor der Tür. Für Après-Ski-Lokale werde eine starke Reglementierung erwartet, so müsse an Tischen Platz genommen werden und Mund-Nasen-Schutz auf Wegen im Lokal getragen werden; auch laute Tanzmusik soll es nicht geben. Für Lokale, die nur auf Après-Ski-Feiern ausgelegt sind und wegen der Bestimmungen nicht aufsperren können, fordert ­Gerber eine Entschädigung.

Für den kommenden Winter will Gerber „Klasse statt Masse“. „Touristen müssen mit weniger Ballermann und dafür mit mehr Naturerlebnis auskommen.“ Neben den Herausforderungen der Corona-Pandemie für die Tourismuswirtschaft will Gerber als Obmann auch das Image des Fremdenverkehrs aufpolieren und den Fachkräftemangel verkleinern. In der Krise sei für ihn auch die Zeit, „an Stellschrauben zu drehen“, allerdings ohne den Tiroler Tourismus neu erfinden zu wollen.


Kommentieren


Schlagworte