Nawalny laut seinem Team im Hotelzimmer in Tomsk vergiftet

Der Kremlkritiker Alexej Nawalny ist nach Darstellung seines Teams nachweislich schon in Russland vergiftet worden, und zwar in einem Hotel in der sibirischen Stadt Tomsk. Das Gift soll ihm demnach in einer Flasche mit Mineralwasser in seinem Zimmer verabreicht worden sein. Nawalnys Team zeigte ein Video von den Flaschen der Marke „Swjatoj Istotschnik“ („Heilige Quelle“).

Seine Mitarbeiter betonten auf Instagram, dass nun erwiesen sei, dass Nawalny bereits auf russischem Gebiet vergiftet worden sei. Auf ihn soll mit einem als Chemiewaffenkampfstoff verbotenen Nervengift der Gruppe Nowitschok ein Mordanschlag verübt worden sein. Die deutsche Regierung macht Russland dafür verantwortlich. Moskau bestreitet, etwas mit dem Fall zu tun zu haben.

Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hat biomedizinische Proben Nawalnys untersuchen lassen. Die deutschen Behörden würden über die Ergebnisse unterrichtet, teilte die in Den Haag ansässige Organisation am Donnerstag mit. Für die Untersuchungen hätten die OPCW-Experten unabhängig Proben Nawalnys gesammelt.

Nawalnys Team erklärte, ein deutsches Labor habe die Nowitschok-Spuren an der Wasserflasche nachgewiesen. Es zeigte auf dem Video, wie Nawalnys Mitarbeiter trotz Warnungen einer Hotelangestellten in dem Zimmer sämtliche möglichen Beweismittel mit Handschuhen aufgriffen und in Plastiksäcken verstauten. Sie hätten sich zu dem Schritt entschieden - unmittelbar, nachdem sie Nachricht über den Gesundheitszustand Nawalnys erhalten hätten, hieß es.

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Nawalny war am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau zusammengebrochen. Die Maschine landete deswegen in Omsk zwischen. Nawalny wurde dort im Krankenhaus in ein künstliches Koma versetzt und beatmet. Am 22. August wurde er nach Deutschland ausgeflogen, wo er an der Charite in Berlin behandelt wird. Er ist wieder bei Bewusstsein, atmet selbst und hat bei Instagram mit einem Foto ein Lebenszeichen gegeben.

Moskau hatte zuletzt angesichts der Vorwürfe aus Deutschland angegeben, Nawalny sei womöglich erst nach seiner Abreise vergiftet worden. Die Staatsmedien in Moskau verbreiten die Version eines Komplotts des Westens gegen Russland, um das Land erneut mit Sanktionen zu belegen. Der Kreml betonte mehrfach, dass russische Ärzte keine Vergiftungssymptome bei Nawalny hätten feststellen können. Sie hatten von einer Stoffwechselstörung gesprochen.

„Wir hatten keine besondere Hoffnung, etwas Derartiges zu finden“, hieß es in der Mitteilung von Nawalnys Team. Aber weil klar gewesen sei, dass Nawalny nicht einfach nur leicht erkrankt sei, hätten sie alles eingesammelt, um es später auch an die Ärzte in Deutschland zu übergeben. „Es war auch offensichtlich, dass der Fall in Russland nicht ermittelt werden würde. Und so ist es auch: Schon fast ein Monat ist um, und Russland hat die Vergiftung Nawalnys bisher nicht eingeräumt.“

Das Europaparlament forderte indes den sofortigen Beginn einer internationalen Untersuchung zu der Giftattacke. Auch die EU solle daran beteiligt sein, hieß es in einer Resolution. Der Mordversuch gegen Nawalny wurde scharf verurteilt. Außerdem sei der wiederholte Einsatz chemischer Waffen gegen russische Bürger ein Grund für Besorgnis, hieß es in der Entschließung.

Die Abgeordneten forderten Russland auf, Einschüchterung, Gewalt, Belästigung und Unterdrückung von Oppositionellen ein Ende zu setzen. Politische Morde und Vergiftungen seien in Russland ein systematisches Mittel des Regimes, um die Opposition vorsätzlich anzugreifen. Die EU müsse angesichts des Falls die Beziehungen zu Russland überdenken, forderte das Europaparlament weiter.


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