Kammermusiktage „Obertöne“ in Stift Stams: Ausloten von Konstellationen

Das ganze Herz in den Tango gelegt: Mariya Nesterovska und Marcelo Nisinman bei den Obertönen in Stams.
© Hauser

Stams – Derselbe Ort, derselbe Raum, dieselben Prota­gonisten. Was an eine Zeitschleife und das Durchleben eines Rituals erinnert, hat allerdings nichts mit dem verzweifelten Versuch über die Wiederholung der Marke „Und täglich (jährlich) grüßt das Murmeltier“ zu tun, sondern darf als das Ausloten eines Möglichkeitsraums bzw. von Konstellationen gewertet werden.

Die 7. Auflage der Kammermusiktage „Obertöne“ in Stift Stams mit den künstlerischen Leitern Mariya Nesterovska (Violine) und Hubert Mittermayer Nesterovskiy (Fagott), sowie Nenad Lecˇić (Klavier), Rafael Bonavita (Gitarre), François Guerrier (Cembalo, Orgel), Leonhard Roczek (Violoncelleo), Jan Krigovsk­y (Violone), Marcelo Nisin­man (Bandoneon), Tobias Steinberger (Perkussion) verfolgt(e) einmal mehr die Grundidee des Festivals, Gemüter zu bewegen. Dass es dazu keiner in sich konzeptuell logischen Programm­abfolge bedarf, zeigte der Eröffnungsabend am Mittwoch. Da fanden sich Johann Sebastian Bachs Triosonaten in G-Dur BWV 530 und C-Dur BWV 529 ebenso wie Domenico Scarlattis 3 Sonaten in D (KK. 119/32/278), Felix Mendelssohn-Bartholdys „Variations concertantes“ für Violoncello und Klavier, op. 17, Tango-Klänge von Astor Piaz­zollas „Adiós nonino“ und Marcelo Nisinmans „4-am-Tango“, „Nachum’s Tango“ und „La puñalada“.

Weniger die polyfon-kontrapunktischen Dimensionen, sondern vielmehr die homofon-klangsinnlichen Momente betonend, durfte man die ursprünglich für Orgel konzipierten Triosonaten erleben. Alle Leidenschaft und sehnsuchtsvoll melodisches Empfinden legte Leonhard Roczek mit einem souveränen Nenad Lecˇić am Klavier in Mendelssohn-Bartholdys konzertante Variationen. Als grundsolider Interpret, der hörbar um das Universum unterschiedlichster Stimmungen und Gefühlswelten der Scarlatti-Sonaten weiß, präsentierte sich François Guerrier am Cembalo.

Die Liebe zum Tango und die Verehrung für Astor Piazzoll­a, der den Tango dem Leben abgelauscht hat, war ebenso spürbar wie die Gab­e Marcelo Nisinmans, den Tango in eine Klangsprache der Zeit zu übersetzen.

Informationen zu den Konzerten am Samstag und Sonntag um 18 Uhr im Bernardisaal von Stift Stams: www.obertone.at (hau)


Kommentieren


Schlagworte