„Sigmund Freud – Jude ohne Gott“: Intimes Porträt eines Hundeliebhabers

Die austro-französische Produktion zeigt u. a. Aufnahmen aus den Dreißigern, die Anna Freud später selbst kommentiert.

Sigmund Freud auf dem Weg ins Exil: Noch 1938 flieht der Psychoanalytiker nach London.
© Filmgarten

Innsbruck – Fotografiert werden wollte Sigmund Freud nie. Und wenn es doch jemand wagte, so verzog er das Gesicht. So erzählt es Tochter Anna Freud. Ihren Vater hat sie stets genau unter die Lup­e genommen, das wird in „Sigmund Freud – Jude ohne Gott“, einer neuen Dokumentation von Regisseur David Teboul, zum ersten Mal klar. Bisher unveröffentlichtes Bildmaterial gibt neue Einblicke in das Privatleben des Erfinders der Psychoanalyse.

Die austro-französische Produktion zeigt u. a. Aufnahmen aus den Dreißigern, die Anna Freud später selbst kommentiert. Sie erzählt von Yoffi, Freuds zweitem Chow-Chow. Der Wissenschafter mocht­e die Hunderasse vor allem aufgrund der Ähnlichkeit mit „Miniaturlöwen“.

📽️ Trailer | Sigmund Freud – Jude ohne Gott

Zu den Originaltönen der späteren Doyenne der Psychoanalyse collagiert Teboul (der 2002 schon Yves Saint Laurent mit der Kamera begleitete) schriftliche Aufzeichnungen von Vater und Tochter dazu, vorgelesen von Johannes Silberschneider (Freud) und Birgit Minichmayer (Anna). Briefe, Notizen, Tagebuchaufzeichnungen verdichten sich zu einem intimen Porträt. Sie berichten ruhig, ja bisweilen monoton von dem unermüdlich Studierenden, der in Wien Hypnose und Hysterie kennen lernte und in Träumen dem Dämonischen im Selbst nachforschte.

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Parallel zu den Privataufnahmen webt Teboul einen Bildteppich aus Aufnahmen aus dem historischen Wien, die anfangs teilweise noch mit den vorgetragenen Aufzeichnungen korrespondieren, sich bald aber zu bildhaften Assoziationen auswachsen.

Ganz neu zu entdecken ist Freud in „Jude ohne Gott“ aber nicht: Er war der Wissenschaft verschrieben, da hatten Konzepte wie Religion und Tradition kaum Platz. Der Gottlose blieb dennoch Jude. Ungewöhnlich persönlich und auch deshalb berührend sind dann aber Freuds Aufzeichnungen zum Anschluss Österreichs an Nazideutschland, die er mit dem tief erschütternden „Fini­s Austriae“ („Österreich ist tot“) abschließt. (bunt)


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