Markus Koschuh „Oben ohne“: Mit Abstand am besten über Corona gelacht

Markus Koschuh und sein neues Programm „Oben ohne“ feierten am Donnerstag Premiere in Innsbruck. Eine Mischung aus Gags und Lustbarkeiten aus dem ersten Corona-Halbjahr tischt er auf.

Markus Koschuh mit den wenigen Utensilien, die er für einen Auftritt braucht. Klopapier wurde vorsichtshalber gehamstert.
© Rudy De Moor

Von Markus Schramek

Innsbruck – Gebote und Verbote mit dem Warnhinweis „Corona!“ sprießen wieder so zahlreich aus dem Boden wie spätsommerliche Schwammerln. Darob gefrustete Zeitgenossen müssen deswegen aber nicht zum Lachen in den Keller gehen. Eine empfehlenswerte Alternativ-Lokalität wäre das Haus Vier und Einzig an der Innsbrucker Haller Straße. Hier spielt Markus Koschuh noch einige Male sein neues Kabarett namens „Oben ohne“. Hier wird auch brav Abstand gehalten. Der Kleinkünstler selbst schleicht maskiert auf die Bühne.

Was aber viel wichtiger ist: Während 90 Minuten Unterhaltung prustet das Publikum immer wieder lauthals los. Derart Lachtränen-emittierend sogar, dass manch abendliches Augen-Make-up unter Wasser steht (Damen mögen mir diese Randnotiz bitte verzeihen).

Koschuh ist ein Routinier. „Oben ohne“ ist schon sein neuntes ausgewachsenes Programm. Anfängliche Nervosität überspielt er bei der Premiere am Donnerstag, er plaudert sich warm, bis er den Faden findet.

Eine Mischung aus Gags und Lustbarkeiten aus dem ersten Corona-Halbjahr tischt er auf, als mutmaßlicher Mitarbeiter der chronisch überlasteten Hotline 1450. Es melden sich Menschen mit kruden Theorien über das Sein oder Nichtsein von Corona, tatsächlich wollen sie meist aber nur ungeliebte Nachbarn anschwärzen.

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Der 43-jährige Allein­unterhalter ist ein guter Beobachter, ein begnadeter Grimassenschneider. Sein Hang zum Gesang kommt für Lockerungsübungen zwischendurch wie gelegen. Herzhafte Parodien unterirdischer Liedvorlagen, von Hannah („Aussa mit de Depf“) bis Gabalier, massieren das Zwerchfell. Aus „I sing a Liad für di“ wird „Da infizier i di“, aus „Sierra Madr­e“ wird „Tirol turistico“.

Hinhören lohnt sich – bei Koschuh, nicht beim Original. Die Umtextungen des singenden Kabarettisten haben Pfiff. Manche Gesangseinlage wär­e glatt eine Aufnahme wert. Den Rap einer Supermarktkassiererin, einer Heldin Coronas, die statt eines brauchbaren Gehalts lobende Worte erhält, ist eine kleine Perle.

Noch immer soll es hierzulande Freunde bunter Kabarettabende geben, die Markus Koschuh nicht live gesehen haben. Ihnen sei geraten: Geben Sie ihm eine Chance, er hat sie sich verdient.


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