Schlepperbericht: Illegale Einreise zieht nach Rückgang wieder an

Die meisten illegal eingereisten Menschen wurden laut Schlepperbericht 2019 im Bezirk Kufstein aufgegriffen.

Auf gezielter Suche nach Schleppern: Polizeikontrolle im Burgenland. (Archivfoto)
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Wien – Durch die Corona-Krise wurden kurzfristig weniger illegal eingereiste Menschen aufgegriffen, seit Juli sei ihre Zahl aber wieder im Steigen. Das erklärte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Samstag anlässlich der Veröffentlichung des Lageberichts Schlepperei und Menschenhandel 2019. Er sieht „starken Migrationsdruck Richtung Österreich“.

Waren im Juli und August 2019 noch 3590 Aufgriffe erfolgt, seien es in diesen beiden Monaten heuer 4390 gewesen, eine Steigerung von mehr als 20 Prozent. „Wir werden daher bei der Überwachung unserer Grenzen verstärkt auf den Einsatz von Drohnen setzen“, bekräftigte der Minister.

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Generell sind die Aufgriffe seit dem großen Flüchtlingszustrom von 2015 beständig zurückgegangen. Im gesamten Jahr 2019 wurden 19.274 Personen aufgegriffen, gegenüber 2018 ein Rückgang von neun Prozent. Dafür stieg die Zahl der festgenommenen Schlepper um 8,5 Prozent auf 242. Die Zahl der von Schleppern ins Land gebrachten Menschen, die aufgegriffen wurden, betrug 2469, um 13 Prozent weniger als im Jahr davor.

Insgesamt wurden laut dem Bericht 16.554 Personen registriert, die illegal eingereist oder aufhältig waren, um 8,8 Prozent weniger als 2018. Die meisten Menschen wurden im Bezirk Kufstein (455) aufgegriffen, gefolgt von Innsbruck-Land (1270 Aufgriffe), dem nö. Bezirk Bruck a. d. Leitha mit 1001 Vorfällen und Salzburg mit 957 aufgegriffenen Personen.

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Hauptübertritts­länder sind Italien und Ungarn.

Die Schlepper sind laut dem Bericht überwiegend Männer aus Syrien, Österreich, der Türkei, Serbie­n und Afghanistan. Die Geschleppten stammten vor allem aus Afghanistan (996 Personen), Syrien (278) und dem Irak (231). 45 Prozent (1118 Personen) waren 19 bis 30 Jahr­e alt, die Gruppe der 15- bis 18-Jährigen war mit 26 Prozent (650) am zweithäufigsten vertreten. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre machten acht Prozent aus (195). Die Hauptroute verlief über den West-Balkan.

Hauptübertritts­länder nach Österreich für illegal­e Migranten sind Italien und Ungarn. Die meisten rechtswidrig eingereisten bzw. aufhältigen Personen kamen aus Serbien, gefolgt von Nigeria, Afghanistan, der Slowakei und Albanien.

Meldestelle für die Bekämpfung des Menschenhandels im Bundeskriminalamt

Hinweise, auch anonym, unter +43/677/61343434 oder menschenhandel@bmi.gv.at

Weiters ermittelte die Polizei 62 mutmaßliche Menschenhändler und 66 ihrer Opfer sowie 43 des grenzüberschreitenden Prostitutionshandels Verdächtige und 53 Betroffene. Sogar Minderjährige – zwölf Mädchen und zwei Buben unter 14 – waren darunter. Die meisten Opfer stammten aus Rumänien, Ungarn und Bulgarien.

Neben Prostitution und Bettelei spielt hier Arbeitsausbeutung eine Rolle – neu beobachtet wurde 2019 die illegale Fertigung von Teigtaschen: Chinesische Staatsangehörige produzierten sie zu Tausenden in Wiener Wohnungen und lieferten sie abgepackt an chinesische Restaurants und Supermärkte. Die Ermittlungen gestalteten sich aufgrund des weitreichenden Umfangs als äußerst schwierig, hieß es dazu. (APA)


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