Seit Juni nur 55 Touristen infiziert: Sorge vor Reisewarnungen in Tirol groß

Wegen steigender Infektionszahlen – am Freitag waren es 108 – ist die Sorge vor Reisewarnungen groß. Tirol will dem entgegentreten: Von 1724 Infektionen seit 18. Juni entfallen nur 55 auf Personen mit ausländischen Kontaktdaten.

Im Corona-Zentrum in Innsbruck arbeiten 50 Mitarbeiter, um u. a. die rasche Nachverfolgung von Kontaktpersonen der Infizierten zu gewährleisten. Klaudia Tanner, Ingo Gstrein und Günther Platter (v. l.) überzeugten sich davon.
© Land/Berger

Innsbruck – 108 Neuinfektionen gab es am Freitag in Tirol, die Sorgenfalten von LH Günter Platter (ÖVP) werden deshalb tiefer. Schließlich steht auch eine Reisewarnung aus Deutschland im Raum. Für Wien gibt es sie bereits. "Die Befürchtung ist da, deshalb braucht es jetzt die strikten Maßnahmen wie die Maskenpflicht oder die Beschränkungen bei privaten Zusammenkünften", sagt Platter, denn eine deutsche Reisewarnung wäre ein Nackenschlag für den so wichtigen Winter­tourismus in Tirol.

Zugleich lobte er die Tourismusbranche, weil die Achtsamkeit in den Betrieben sehr groß sei, was Schutzmasken und Hygienemaßnahmen betreffe. Der Tourismus bemühe sich unheimlich, den Gästen einen sicheren Urlaub zu bieten. Dort gebe es kaum Probleme und nur vereinzelt Ansteckungen.

Recherchen der TT haben ergeben, dass die Anzahl von infizierten Gästen vergleichsweise gering ist. Innerhalb der vergangenen drei Monaten verzeichnete Tirol 1724 Infektionen, 55 positiv getestete Personen hatten ausländische Kontaktdaten. Mit diesen Zahlen will man vor allem einer möglichen Reisewarnung aus Deutschland entgegentreten, heißt es.

Jedenfalls soll es in Tirol bei der Abklärung von Verdachtsfällen, beim Contact Tracing (Kontaktpersonen­ermittlung) und bei der Auswertung von Corona-Tests noch schneller gehen. "Hier bin ich noch nicht ganz zufrieden", gibt Platter offen zu, der Freitag mit Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Militärkommandant Ingo Gstrein das neue Corona-Zentrum in einem Innsbrucker Hotel besuchte. 30 Soldatinnen und Soldaten des Bundesheers sind dort im Assistenzeinsatz, insgesamt sind es 50 Mitarbeiter.

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Knapp 10.000 Datensätze von Laborergebnissen wurden seit Inbetriebnahme des Zentrums Anfang September bereits bearbeitet. "Von der Bekanntgabe einer Testung über Hintergrundinformationen bis hin zur Kontaktpersonennachverfolgung, Fallbearbeitungen und ersten Absonderungen wird eng zusammengearbeitet", erklärt der Leiter des Tiroler Einsatzstabes Elmar Rizzoli. Um die Testkapazitäten auszuweiten und zu optimieren, sind sieben mobile Screeningstationen geplant, am kommenden Donnerstag wird die erste in Betrieb gehen.

Zugleich bat Landeshauptmann Platter die Verteidigungsministerin, die Assistenzleistung des Bundesheeres in Tirol auf 65 Personen aufzustocken. Tanner kündigte daraufhin an, dass der Einsatz evaluiert und im Falle weiterer Assistenzanforderungen bei zusätzlichem Bedarf nach Möglichkeit auch weiter unterstützt wird. "Der aktuelle Assistenzeinsatz des Österreichischen Bundesheeres zur Unterstützung des Contact-Tracing-Teams ist ein voller Erfolg."

Sowohl für Tanner als auch für Platter führt an den Maßnahmenverschärfungen der Bundesregierung kein Weg vorbei, um eine neuerliche Ausbreitung des Corona­virus wirksam einzudämmen. "Weil die Infektionen derzeit hauptsächlich bei Versammlungen und privaten Feiern auftreten." (pn)

Eindringlicher Ärzte-Appell: „Nicht auf Zuruf testen“

Mit der Frage, ob die wieder verschärften Corona-Maßnahmen gerechtfertigt oder überzogen sind, beschäftigten sich gestern in Linz sieben prominente Mediziner. „Risikobewertung und Beratung sind Expertenaufgabe. Politiker müssen abwägen und entscheiden. Im Nachhinein sieht man, ob es richtig war“, sagte Franz Allerberger, Mitglied in der Taskforce des Gesundheitsministeriums. Die Trennung von Fachexperten und Politik sei wichtig. Ebenso, dass nicht politisch dreingeredet werde.

Allerberger sieht den Lockdown im Frühjahr aus heutiger Sicht kritisch. Schon vor den massiven Ausgangsbeschränkungen sei etwa die Reproduktionszahl wieder im Sinken begriffen gewesen.

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