Aktive Corona-Fälle steigen in Österreich deutlich

808 Corona-Neuinfektionen sind in Österreich in den vergangenen 24 Stunden gemeldet worden. Deutlich im Steigen begriffen ist die Anzahl der aktiven Fälle - mit 7.447 hat sich dieser Wert binnen drei Tagen um 1.253 erhöht. Auch die Hospitalisierungen nehmen zu, derzeit sind bundesweit 334 Corona-Patienten in einem Spital. An den Schulen gab es seit Start des Unterrichtsjahrs 455 Corona-Fälle.

372 davon betrafen Schüler, 58 Lehrkräfte und 25 Verwaltungsbedienstete. Dazu kommen noch rund 3.600 Verdachtsfälle. Die meisten bestätigten Infektionen gab es in Wien, wo 198 Schüler, 15 Lehrer und 17 Verwaltungsangestellte positiv getestet wurden. Als einziges Bundesland hat Kärnten bisher noch keinen positiv getesteten Schüler verzeichnet, dafür sieben Lehrer.

Ein mit SARS-CoV-2-Infizierter steckt in Österreich derzeit 1,3 Personen an. Das haben Berechnungen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ergeben. Vor zwei Wochen lag der Wert der effektiven Reproduktionszahl R0 noch bei 1,02, in der Vorwoche bei 1,25. Mittlerweile liegt in keinem einzigen Bundesland die effektive Reproduktionszahl unter 1,0.

Die tägliche Steigerungsrate schätzt die AGES - gestützt auf die Daten der in das österreichische Epidemiologische Meldesystem (EMS) eingepflegten, neu aufgetretenen Covid-19-Fälle - auf aktuell acht Prozent. In der vergangenen Woche machte die tägliche Steigerung an erkrankten 6,5 Prozent aus, in der ersten Septemberwoche 1,7 Prozent. Das wöchentliche Update der Publikation „Epidemiologische Parameter des Covid19-Ausbruchs, Österreich, 2020“ wird von der AGES und dem Institut für Statistik der TU Wien erstellt.

Unterdessen gibt es in Wien kaum mehr Schulen, die in den ersten beiden Schulwochen noch nicht mit Covid-19-Verdachtsfällen konfrontiert waren. In den vergangenen Tagen hatte es von Eltern- und Lehrerseite, aber auch von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) Kritik an der langen Wartezeit auf Tests bzw. deren Ergebnisse gegeben. Elternvertreter fordern daher vom Gesundheits- sowie vom Bildungsministerium und der Stadt Wien eine prioritäre Behandlung von Schulen bzw. Schülern bei Verdachtsfällen. Vorgeschlagen wird eine Art „Fast Lane“ - also eine Teststraße - für Schulen, damit bei den zahlreichen Verdachtsfällen möglichst schnell Klarheit vorliegt.

Bildungsminister Faßmann startet unterdessen in Zusammenarbeit mit Schulärzten ein eigenes Pilotprojekt in der Bundeshauptstadt, berichteten mehrere Medien an Freitag. Mobile Teams sollen an den Schulen Verdachtsfälle bzw. unmittelbare Kontaktpersonen anhand der Gurgelwasser-Methode testen. Dabei wird kein Nasen-Rachen-Abstrich gemacht, sondern eine knappe Minute gegurgelt. Ergebnisse sollen - je nach Uhrzeit - noch am selben Tag oder am Tag darauf vorliegen.

Davon unabhängig soll Ende September das vom Ministerium zum Schulstart angekündigte regelmäßige Monitoring mittels Gurgelwasser-Tests starten. Alle drei bis vier Wochen werden dabei 15.000 Schüler und 1.200 Lehrer zum Gurgeln antreten. So will man - unabhängig von „akuten“ Fällen - einen Überblick über die Infektionslage erhalten.

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) kündigte am Freitagabend im ORF-“Wien heute“-Interview eine weitere Coronavirus-Teststraße an. Diese soll beim Ernst-Happel-Stadion für Personen mit geringen Symptomen kommen. Außerdem sollen mobile Teams Gurgeltests bei Schulen durchführen. Im nächsten Schritt sei man dabei, ein Testformat auch für Kindergartenkinder zu finden, sagte Ludwig.

Die weitere Teststraße soll bereits „in den nächsten Tagen“ zur Verfügung stehen. „Dort können Menschen mit geringen Symptomen sich melden, mit dem eigenen Pkw kommen und werden getestet, nach einem Gespräch mit 1450“, erläuterte Ludwig.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) meinte am Freitag zur aktuellen Situation: „Wir befinden uns jetzt an einer Weggabelung. Entweder wir schaffen es, durch eine konsequente Umsetzung der neuen Maßnahmen die Entwicklung stabil zu halten oder es droht bis Ende September der Wechsel in eine exponentielle Entwicklung.“ Zugleich gab sich Anschober zuversichtlich, dass letzteres abgewendet werden kann. Die mit Wochenbeginn in Kraft getretene weitreichende Maskenpflicht werde „außerordentlich gut eingehalten. Das erinnert an das hohe Verantwortungsgefühl der Bevölkerung im Frühling“, konstatierte der Gesundheitsminister.

Was die Neuinfektionen betrifft, entfielen am Freitag 341 auf die Bundeshauptstadt - ein Minus von 25 gegenüber dem Vortag. Einen beachtlichen Zuwachs gab es mit 159 gegenüber 100 am Donnerstag in Niederösterreich. Aus der Steiermark wurden 85 neue Fälle gemeldet, aus Tirol und der Steiermark 75 bzw. 71. 28 Neuinfektionen verzeichnete Vorarlberg, 23 Salzburg, 18 das Burgenland. Lediglich acht Neuinfektionen wurden in Kärnten registriert. Bundesweit wurden binnen 24 Stunden beachtliche 18.854 durchgeführte Tests eingemeldet - „eine Rekordzahl“, wie Minister Anschober betonte.


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