20.000 bei Großdemonstration gegen die Regierung in Thailand

Mit einer Großdemonstration vorwiegend junger Aktivisten haben die seit Monaten andauernden Proteste gegen die Regierung in Thailand am Samstag ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. An der von Studenten angeführten Kundgebung in Bangkok nahmen trotz Regens bis zum frühen Samstagabend (Ortszeit) der Polizei zufolge 20.000 Menschen teil. Es wurden aber Zehntausende weitere erwartet.

Die Organisatoren schätzten am Abend die Zahl der Teilnehmer auf 50.000. Die Demo sollte noch bis zum Sonntag dauern. Sie könnte die größte der vergangenen Jahre sein. Die Teilnehmer warteten in den Abendstunden auf Wortführer des Protests und deren angekündigte Ansprachen.

Die Demonstranten forderten nicht nur eine Verfassungsänderung und Neuwahlen, sondern auch eine Reform der Monarchie. Kritik am Königshaus galt bis vor kurzem als Tabu in dem südostasiatischen Land. Zuletzt waren mehrmals politische Aktivisten festgenommen worden. Die meisten kamen aber auf Kaution wieder frei.

Tausende Regierungskritiker hatten sich seit Mittag an der Thammasat Universität versammelt, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. Die Universität hatte erklärt, sie werde die Kundgebung nicht auf ihrem Gelände gestatten - jedoch öffnete sie schließlich die Tore.

Andere Demonstranten zogen auf den riesigen Platz Sanam Luang im historischen Zentrum von Bangkok, unweit des alten Königspalastes. Viele hoben den Arm und machten das Drei-Finger-Zeichen aus der Science-Fiction-Filmreihe „Die Tribute von Panem“. Die Geste hat sich zum Symbol der thailändischen Demokratiebewegung entwickelt.

Die Studentenführer fuhren mit einem Lastwagen samt Lautsprechern vor. „Heute verkünden wir den Beginn des Sieges für das Volk und die Demokratie“, sagte einer Hauptorganisatoren, Panupong Jadnok, den Reportern. Die Regierung von Ministerpräsident Prayut Chan-o-cha hatte zuvor gewarnt, dass die Demonstration zur Ausbreitung des Coronavirus beitragen könne - und dann wieder schärfere Einschränkungen in Kraft treten würden.

Der General ist seit einem Putsch des Militärs 2014 an der Macht und gilt als Verfechter konservativer thailändischer Werte. Seit der Parlamentswahl 2019, die von Manipulationsvorwürfen überschattet wurde, ist er Regierungschef. Die Demonstranten fordern neben einer Neuwahl auch ein Ende der Einschüchterung von Bürgern und politischen Gegnern.

Nach Angaben von Vize-Polizeisprecher Krissana Pattanacharoen waren 10.000 Polizisten entsandt worden, um für Ordnung zu sorgen. Einige Demonstranten versuchten, zum alten Königspalast vorzurücken. Die Polizei rückte die von ihr errichteten Barrieren näher an das historische Gebäude heran und brachte Wasserwerfer in Stellung. Die Demonstranten sollen davon abgehalten werden, mehr als 150 Meter an die Palastgebäude heranzukommen, die derzeit nicht mehr von der Königsfamilie bewohnt werden. Sonst blieb es aber zunächst friedlich.

Allerdings hatte eine wachsende Zahl von „Rothemden“, die sich bisher politisch zurückgehalten hatten, zuletzt angekündigt, die Protestbewegung zu unterstützen. Die „Rothemden“ sind Anhänger des 2006 gestürzten und ins Exil geflohenen Ex-Premiers Thaksin Shinawatra, der vor allem unter der armen Landbevölkerung weiter populär ist. In den Jahren vor dem Putsch 2014 war es immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den „Rothemden“ und königstreuen „Gelbhemden“ gekommen.

Die jetzigen Proteste halten schon seit Monaten an. In einem Kommentar in der Zeitung „Bangkok Post“ hieß es: „Ob ihr es mögt oder nicht, der Wind der Veränderung kommt.“ Es geht dabei auch um die Rolle von König Maha Vajiralongkorn (Rama X.) und ein umstrittenes Gesetz zum Schutz der Monarchie. Thailand hat das wohl härteste Lèse-Majesté-Gesetz der Welt: Wer den König oder seinen Hof beleidigt, der riskiert bis zu 15 Jahre Haft. Der Regent ist derweil gar nicht im Land. Der 68-Jährige lebt seit Monaten in einem Luxushotel in Bayern.


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