Corona-Tests: Anschober ortet Versäumnisse bei Ländern

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) ortet wegen langer Wartezeiten bei den Corona-Tests Versäumnisse in manchen Bundesländern. Zwar hätten viele Behörden Personal aufgestockt, sagte er im Ö1-“Journal zu Gast“ am Samstag. In Wien müsse aber dafür „massiv Geld in die Hand genommen werden“. Die Zahl der Intensivpatienten könnte bis Monatsende im dreistelligen Bereich sein.

„Wochenlang hatte sich durch das deutlich gesunkene Durchschnittsalter der positiv Getesteten die Zahl der Hospitalisierungen von den steigenden Infektionszahlen entkoppelt“, so Anschober - „dies scheint sich nun schrittweise zu ändern“. Die Prognosen bei den Intensivpatientinnen und -patienten zeigen laut dem Minister „deutlich nach oben“ und gehen von rund 110 Intensivpatientinnen und -patienten bis Monatsende aus.

Dennoch ortet Anschober in den vergangenen Tagen eine „umfassende Trendwende“. Die Bevölkerung mache nun wieder immer stärker mit und übernehme wieder Mitverantwortung. Auch das Ausbruchsgeschehen am Samstag zeige, dass punktgenau die richtigen Maßnahmen gesetzt worden sein. Anschober: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Verantwortungsgefühl der Bevölkerung bald wieder wie im Frühling ist und wir damit die Pandemie weiter unter Kontrolle halten können.“

Dass die Regierung zu spät auf die steigenden Zahlen reagiert hätte, stellte Anschober gegenüber Ö1 in Abrede. Allerdings sei es ein „schwerer Fehler“, wenn etwa nach einem Anruf bei der Corona-Hotline Tester erst nach Tagen kämen und Ergebnisse lange ausständig seien. Eine medizinische Hotline könne immer nur so gut sein, wie sie ausreichend Personal habe, merkte der Minister an und zeigte sich nach Gesprächen mit der Stadtregierung zuversichtlich, dass auch Wien alle Anstrengungen unternehmen werde.

Indes schaltete sich Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) ein weiteres Mal ein, was die stark ansteigenden Infektionen in Wien betrifft. Er erneuerte in einer Stellungnahme an die APA sein „Angebot“ an die Bundeshauptstadt, die Eindämmung polizeilich zu unterstützen: „Die Polizei steht bereit, beim Contact Tracing und der Kontrolle der Einhaltung der Quarantäne zu helfen.“ Die Wiener Stadtregierung hatte derartige Angebote immer eher als Provokation im laufenden Wahlkampf gedeutet.

Am Samstag erreichte das erste Wiener Spital seine Kapazitätsgrenze für Covid-19-Patienten. Die Klinik Favoriten (ehemals Kaiser-Franz-Josef Spital) nimmt keine Intensiv- oder Normalpatienten mehr auf. Einen Bericht der Tageszeitung „Österreich“ (Samstag) bestätigte der Pressesprecher des Wiener Gesundheitsverbunds, Markus Pederiva, der APA. Er betonte aber, dass es in anderen Krankenhäusern noch ausreichend Betten gebe.

Der Vorarlberger Public Health-Experte Armin Fidler, der das Land in der Corona-Kommission des Bundes vertritt, hält es indessen für „gar nicht so abwegig“, dass in absehbarer Zeit einer der vier Vorarlberger Bezirke auf der Corona-Ampel rot aufleuchten wird. Das begründete er am Samstag in einem Interview gegenüber „Radio Vorarlberg“.

In der Kommission sei „es ja so, dass wir zuerst einmal die rohen Fallzahlen hernehmen. Ganz einfach: Wie viele Fälle gibt es im Sieben-Tages-Trend bezogen auf eine Bevölkerung von Hunderttausend? (...) Der Bezirk Dornbirn zum Beispiel, wenn wir die rohen Fallzahlen anschauen, wäre über 100 und damit rot.“ Allerdings würden für das reale Infektionsrisiko weitere Parameter herangezogen und durch „Risikoadjustierung“ der jeweilige Alarmwert modifiziert, so Fidler.

Der Gesundheitsexperte machte kein Hehl daraus, über das Verhalten der Menschen besorgt zu sein: „Wir sind natürlich auch auf die Mitarbeit und den Hausverstand der Bevölkerung angewiesen. Also wenn‘s da Resistenzen gibt und Leute trotz dringender Empfehlung sich dagegen halten, dann werden wir die Situation schwer in den Griff kriegen.“

Aus fachlicher Sicht sei er „manchmal natürlich frustriert mit Einzelheiten“ im Zusammenhang mit dem Instrument der Corona-Ampel. Die Bevölkerung erwarte sich „eine Risikoabschätzung, zu der es in Stein gemeißelte Maßnahmen geben muss. Das wäre wünschenswert, weil es Klarheit schafft. Aber leider Gottes ist das sehr, sehr schwer“. Die Politik hinke hier der Wissenschaft noch um Wochen nach. Fidlers Ansicht nach habe die Regierung zu schnell die Zügel wieder locker gelassen: „Ich habe das immer als seltsam empfunden, dass gerade zu einem Zeitpunkt, wo sich die Bevölkerung eigentlich an das Maskentragen gewöhnt hätte, man das wieder abgeschafft hat.“


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