Ältestes Hüttenbuch einer Alpenvereinshütte gefunden

Das Historische Archiv des Österreichischen Alpenvereins ist unlängst zum ältesten den Alpenvereins-Historikern bekannten Hüttenbuch Österreichs gekommen. Der erste Eintrag datiert vom 6. August 1868, damals lag das Buch in der Rainerhütte (Nationalpark Hohe Tauern) auf. Das wichtige Zeitzeugnis sei für das historische Archiv erworben worden und befinde sich nun im Depot, so der ÖAV zur APA.

Auf den 140 beschriebenen Seiten fänden sich Einträge von Malern, Wissenschaftern, Kartografen und Handwerkern – vereinzelt auch Bergführern. Obmann Leopold von Hofmann sei der erste Wanderer gewesen, der sich am 6. August 1868 in dem von ihm mitgebrachten Fremdenbuch verewigt habe. Zu den bekanntesten Hüttengästen zählten, so steht es in einem Bericht von Michael Guggenberger für die Septemberausgabe des ÖAV-Magazin „Bergauf“, auch der spätere Bundespräsident Michael Hainisch, der die Hütte als Zehnjähriger mit seiner Mutter und kleinen Schwester Maria besucht hatte. 1894 sei sogar Kaiser Franz Josef in der Rainerhütte eingekehrt.

Die Rainerhütte sei im Juni 1868 errichtet worden und nach dem Erzherzog Rainer benannt, dem Protektor des Alpenvereins. Sie gelte als die erste Alpenvereinshütte Österreichs.

Die Zeitungen schilderten damals die Beschaffenheit der Hütte wie folgt: Sie war „ganz gemauert, denn Holz muss zwei Stunden weit über den Schranbach heraufgetragen werden, - mit Schindeln gedeckt und verschlagen. Vor der Türe, zu deren beiden Seiten, sind Sitzbänke angebracht. Das Innere besteht rückwärts aus dem Bettlager von frischem Heu - die Decken muss der Fremde selbst bei sich haben, - dann aus einem kleinen Herde, einem Tische, den nötigen Stühlen samt aller anderen notwendigen Requisiten zum Kochen, Essen, Trinken, - in der einfachsten Weise.“ Schlafplätze stünden, alten Zeitungsberichten zufolge, nur für vier Personen zur Verfügung. Milch, Obers, Butter und Roggenbrot seien, wie auch der Hüttenschlüssel, bei der nächsten Alm zu holen gewesen.

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Wer die Rainerhütte heute sucht, sucht vergeblich. In den 1950er-Jahren sei sie nämlich, so der ÖAV, mitsamt allen anderen am sogenannten Wasserfallboden gelegenen Gebäuden im Stausee versunken.

Was bleibt, ist die Erinnerung, teilweise dokumentiert auf den 140 Seiten des unlängst erworbenen Fremdenbuchs. „Dieses Hüttenbuch der ersten Schutzhütte des Österreichischen Alpenvereins wähnten wir längst verloren. Vor kurzem konnten wir es als Zeitzeugnis für unser historisches Archiv erwerben“, schreibt Guggenberger, der für die Öffentlichkeitsarbeit des ÖAV zuständig ist. Es läge nun, neben einem großen Schatz an Ausstellungsstücken, im Alpenvereins-Depot.


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