Herdenschutz: Gelenkte Beweidung für Tiroler Schafzüchter keine Lösung

Tirols Schafbauern sehen in den zahlreichen Ideen zum Schutz der Herden vor Wolfsangriffen kaum einen umsetzbaren Vorschlag.

Einen Einsatz von Herdenschutzhunden kann sich Michael Bacher nicht zuletzt wegen der hohen Kosten nur schwer vorstellen.
© ÖBSZ

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Die Vorstellung von einem Hirten, der mit seiner Herde den Sommer auf den Almwiesen verbringt, sei zwar eine romantische, mit der Realität habe das aber wenig zu tun. Für den Obmann des Tiroler Schafzuchtverbandes, Michael Bacher, kursieren derzeit zu viele Vorschläge zum Herdenschutz, die hierzulande schlichtweg keine Chance auf Umsetzung haben – sei es aus logistischen oder finanziellen Gründen.

„Viele Dinge werden behauptet und gefordert, die in der Praxis einfach nicht machbar sind“, sagt Bacher. Dazu zählt er unter anderem den Vorschlag, auf die so genannte gelenkte Beweidung zu setzen. Dabei müssten nämlich die Tiere auf den Almen am Ende eines Tages in einen Pferch getrieben und zusätzlich von Herdenschutzhunden bewacht werden. Neben den Schutzhunden benötige man Hütehunde, die gemeinsam mit einem Hirten die Herde lenken. „Pro 100 Schafe braucht es da dann beispielsweise einen Border Collie. Dazu kommen bei einer größeren Herde vier bis fünf Schutzhunde.“ Nicht nur, dass die Kosten für Anschaffung und Unterhalt der Tiere enorm wären – die reinen Anschaffungskosten für einen ausgebildeten Schutzhund betragen rund 4000 Eur­o –, gelte es auch noch den Hirten zu bezahlen. „Und der müsste sieben Tage in der Woche im Einsatz sein, was arbeitsrechtlich auch nicht ganz einfach wäre“, meint Bacher. Zusätzlich benötige es eine Vorweide, wo die Tiere vor der Almsaison für einige Wochen zu einer homogenen Herde zusammenfinden und dann auch noch die Hunde integriert werden müssten. „Außerdem ist es nicht so, dass man schnell einmal auf den Berg geht und dort einen Zaun aufstellt. Damit ist es ja nicht getan“, betont Bacher. Immerhin müssten die Tier­e am frühen Morgen auch wiede­r aus dem Pferch gelassen werden.

„Tatsächlich gibt es Wanderschäfer beispielsweise im Kaukasus“, kommt Bacher noch einmal auf die Hirtenromantik zu sprechen. Dort verbringen die Schäfer aber Tag und Nacht mit ihrer Herde und die Herde selbst bleibt das ganze Jahr über zusammen. In Tirol bestehen Herden jedoch meist aus Tieren mehrerer Bauern und die Herde wird am Ende einer Almsaison wieder aufgelöst.

Rentabel sei die Schafzucht bereits jetzt kaum noch, bei einer vor allem von Umweltschützern immer wieder ins Spiel gebrachte gelenkten Beweidung würden viele Schafbauern das Handtuch werfen, ist Bacher überzeugt. „Und es wäre schade, wenn es uns nicht mehr gelingt, die Tiroler Almen zu beschicken.“


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