2501 Tiroler derzeit in Quarantäne, Engpass bei den Testergebnissen

Oft tagelanges Warten auf Testergebnis sorgt für Unmut. 18 Anzeigen nach Kontrollen in der Gastronomie.

Die Auswertung der Corona-Tests dauert noch zu lange.
© AFP

Innsbruck – Was die Corona-Tests betrifft, liegt Tirol österreichweit im Spitzenfeld. Bis gestern wurden mehr als 219.600 Testungen durchgeführt. Doch bei der anschließenden Auswertung ist noch viel Luft nach oben. Nach wie vor beklagen viele Betroffene zu lange Wartezeiten. "Meine Sekretärin hatte Erkältungssymptome und sich deshalb an die Corona-Hotline 1450 gewandt", sagt FPÖ-Chef Marku­s Abwerzger, der im Zivilberuf Rechtsanwalt ist.

Nach dem Abstrich wurde seiner Mitarbeiterin klarerweise mitgeteilt, dass sie bis zum Vorliegen eines negativen Ergebnisses nicht arbeiten könne. "Das hat dann fünf Tage gedauert", kritisiert Abwerzger. Ihm gehe es nicht um seinen Fall, aber vor allem für Kleinstunternehmen sei es fatal, wenn Mitarbeiter so lange ausfallen würden. "Die Auswertung muss einfach schneller erfolgen", fordert der FPÖ-Chef. Mit dieser Forderung steht er nicht alleine da. Auch Landeshauptmann Günther Platter (VP) drängt darauf.

Neben den aktuell 655 Infizierten sind weitere 1846 Personen behördlich abgesondert - also in Quarantäne. Sie dauert bei engen Kontaktpersonen zehn Tage, ein "Freiteste­n" (negatives Ergebnis) reicht nicht aus. Andere wiederum warten wie Abwerzgers Sekretärin auf den Befund. Die Auswertung ist der Flaschenhals, wie es heißt. Aktuell hat das Land Tirol Verträge mit fünf Laboren, mit weiteren drei Instituten steht es in Verhandlungen. Die Testkapazitäten sollen vor allem im Herbst hochgehalten werden, dafür benötigt es allerdings auch rasche Resultate.

Aus diesem Grund mahnte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) gestern die Länder, die bereits im Mai festgelegte Formel 24/24/24 einzuhalten: "24 Stunden von der Meldung bis zum Test, 24 Stunden bis zum Testergebnis und 24 Stunden bis zur Rückverfolgung und Information der Kontakte", erläuterte der Vizekanzler. Als positiv bezeichnet Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP), dass künftig auch niedergelassene Ärzte Corona-Tests durchführen können. Das wird jetzt gesetzlich verankert. "Diese zusätzlichen Kapazitäten sind vor allem in der Herbst- und Winterzeit zur Versorgung der Bevölkerung Tirols und seiner Gäste besonders wichtig." Für Tilg könne dadurch die Zeit zwischen Tests und der Weiterleitung des Ergebnisses für die Betroffenen verkürzt werden.

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Indessen hat das Land mit einer Aktion scharf am vergangenen Wochenende auf die steigenden Ansteckungen reagiert. Die Neuinfektionen und Cluster-Bildungen hätten zuletzt gezeigt, dass dringend Handlungsbedarf bestehe, "insbesondere was die Nachtgastronomie betrifft", betont der Leiter des Einsatzstabes Elmar Rizzoli. Polizei, Gesundheits- und Gewerbebehörden führten deshalb in ganz Tirol gemeinsame Corona-Schwerpunktkontrollen in der Gastronomie und Nachtgastronomie durch. Rizzoli: "Bestimmungen wie die Sperrstunde wurden in manchen Nachtlokalen bewusst umgangen und nicht eingehalten. Zum Wohle der Gesundheit müssen sich alle an die Regeln halten, um eine erneute Verschärfung der Corona-Krise zu verhindern."

Auch einige Gäste in den Lokalen zeigten sich bei den Kontrollen uneinsichtig.
Elmar Rizzoli (Leiter des Einsatzstabes)

Die Exekutive kontrollierte 190 Betriebe. Laut Rizzoli wurden mehrere Verstöße festgestellt, wie die Nichteinhaltung der Maskenpflicht und der Abstandsregeln oder der Sperrstunde, und 18 Anzeigen ausgesprochen. (pn)


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