Leiche in Tiroler Keller: 55-Jähriger vor Gericht

Nach dem Fund einer weiblichen Leiche in einem Keller in Kössen im Tiroler Unterland (Bezirk Kitzbühel) Mitte Februar hat sich am Dienstag der 56-jährige Ehemann am Landesgericht Innsbruck wegen Mordes verantworten müssen. Der Angeklagte soll seine 52-jährige Ehefrau wegen Geldproblemen mit einer Hundeleine erdrosselt haben. Der Beschuldigte bekannte sich zu Prozessbeginn vor dem Geschworenengericht schuldig.

„Das Ehepaar hatte große finanzielle Schwierigkeiten“, meinte die Staatsanwältin in ihrem Eröffnungsplädoyer. Am 7. Februar war es dann zu einem Streit gekommen. Dabei stürzte die 52-Jährige die Kellerstiegen hinunter. „Dann nahm der Angeklagte ohne jeden Grund die Hundeleine, zog seine Frau über die restlichen Treppen hinunter und legte ihr schließlich die Leine um den Hals“, schilderte die öffentliche Anklägerin. Die Frau habe sich heftig gewehrt. „Alle ihre künstlichen Fingernägel waren abgebrochen“, sagte die Staatsanwältin. Der Widerstand sei jedoch vergeblich gewesen. Der Angeklagte habe minutenlang die Leine zugezogen. „Er hat erst losgelassen, als er davon ausging, dass seine Frau tot war“, erklärte die Staatsanwältin.

Der äußere Tatablauf werde von der Verteidigung nicht bestritten, sagte der Anwalt des 56-Jährigen. Sein Mandant habe „rot gesehen“. „Er sah keine andere Handlungsalternative“, so der Verteidiger. Der Angeklagte habe seit längerem unter der Ehe, der Eifersucht und Kontrollsucht seiner Frau gelitten. „Er war aber unfähig herauszukommen“, meinte der Rechtsanwalt und sprach von einer verminderten Schuldfähigkeit seines Mandanten.

Der Angeklagte selbst schilderte eine zerrüttete Ehe und erzählte von großen finanziellen Schwierigkeiten, die seine Frau einfach nicht wahrhaben hätte wollen. Sie habe ihn bewusst manipuliert, ihm Vorschriften gemacht und ihn von seinem Umfeld abgeschottet. Seelisch sei es „ein Horror“ für ihn gewesen. Er habe sich nicht getraut, sich von seiner Frau zu trennen, meinte der 56-Jährige. Die Tat gestand er ein. Die Leiche ließ er nach der Tat einfach im Keller liegen. Einige Tage danach wollte er seinem Leben mit Schlaftabletten seiner Frau ein Ende setzen.

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Arbeitskollegen des Mannes fanden die Leiche der 52-Jährigen schließlich am 12. Februar im Keller. Da der Beschuldigte nicht in der Arbeit erschienen war, kamen sie zum Einfamilienhaus, um nach ihm zu schauen. Weil der damals 55-Jährige offenbar beeinträchtigt war, suchten die Kollegen nach der Frau und entdeckten dann die Tote.


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