Corona bescherte Riedel Glas ein Wechselbad der Gefühle

Heiß-kaltes Corona-Jahr für Riedel: Einbrüche in der Gastronomie, ein Plus im Handel und im Internet.

Maximilian Riedel lenkt in elfter Generation die Geschicke der weltbekannten Glasmacher-Dynastie.
© Riedel

Von Alois Vahrner

Kufstein – Die Geschichte der böhmischen Glasmacher-Dynastie Riedel reicht fast 265 Jahre zurück. In Tirol sind die Riedels seit 1956 als Glasmacher aktiv, als Claus Riedel mit geliehenem Geld der befreundeten Familie Swarovski die damals insolvente Glashütte in Kufstein übernahm. Prof. Claus Riedel und dann sein Sohn Georg Riedel machten das Unternehmen zu einem mit Weltruf, 2004 wurden die deutschen Glashersteller Spiegelau und Nachtmann übernommen. Seit sieben Jahren leitet Maximilian Riedel, der zuvor die USA zum größten Absatzmarkt ausgebaut hatte, in elfter Generation das Unternehmen. „Und ich will ganz sicher nicht der Letzte sein“, hat dieser wiederholt betont.

Das heurige Corona-Jahr hatte starke Auswirkungen auf die Märkte, sagt Riedel gegenüber der TT. Es gibt praktisch keine Messe-Auftritte oder Wein-Verkostungen. Riedel, der sonst mindestens 200 Tage im Jahr in aller Welt unterwegs ist, war praktisch ausschließlich in Tirol – und hatte neben der Firma auch Zeit für den Hausbau in Reith bei Kitzbühel. Drei Monate lang stand mit den weltweiten Lockdowns vieles still, die Werke waren in Kurzarbeit.

Gegen die Folgen der Corona-Krise war die Wirtschaftskrise aus 2008/09 nahezu ein Klacks.
Maximilian Riedel

In der Gastronomie brachen die Umsätze vielfach um 60 bis 80 Prozent ein, gleichzeitig gab es teils deutliche Zuwächse im Fachhandel sowie im Web-Shop (plus 60 Prozent). „Die Leute waren und sind viel zu Hause und wollen da verstärkt Genuss und Topqualität.“ Riedel warb stark auf sozialen Netzwerken und in Deutschland und Österreich erstmals auch im TV.

Riedel rechnet damit, heuer mit einem Umsatzminus (zuletzt 259 Mio. Euro) von 15 bis 20 Prozent und damit doch einem blauen Auge davonzukommen. Vieles hänge aber noch vom 4. Quartal ab, wo es mit Black Friday, Single’s Day, Cyber Monday und dann Weihnachten und Neujahr um bis zu 60 Prozent des Jahresumsatzes gehe. Relativ gut laufe es im deutschsprachigen Raum, in Skandinavien und in Südkorea. China erhole sich wieder, langsam auch die USA. In Österreich seien der Fachhandel, der Möbelhandel und Partner wie Wein & Co. oder Interspar extrem wichtig, so Riedel. Grundsätzlich gelte, dass man mit den mittlerweile über 40 verschiedenen Produkten verstärkt „als Lager des Handels und des Logistikers“ übernommen habe. Im Vorjahr hat die Gruppe 56 Mio. Gläser hergestellt und verkauft, davon etwa 200.000 handgemacht im „Herz der Gruppe“ in Kufstein. Dort arbeiten etwa 130 der insgesamt 800 Beschäftigten der Gruppe (weitere 200 Leiharbeiter sind in Deutschland etwa in der Verpackung tätig).

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Corona-bedingte Kündigungen habe es keine gegeben, Infektionen bisher glücklicherweise auch nicht. Die Kurzarbeit wurde beendet, in Kufstein wurde wegen der großen Nachfrage nach handgemachten Gläsern vor allem aus Asien auch von vier auf fünf so genannte Werkstellen aufgestockt. Und auch für die anderen Werke sei die Auftragslage sehr gut.


Kommentieren


Schlagworte