„Looking for Gilles Caron“: Dem Sehenden auf der Spur

Regisseurin Mariana Otero stürzt mitten hinein in das Werk von Fotojournalist Gilles Caron, der mit seiner Kamera ab Mitte der Sechziger politische Umbrüche in aller Welt in spektakulären Aufnahmen festhielt. Und mit 30 spurlos verschwand.

Gilles Caron hinterließ 100.000 Fotos aus aller Welt.
© Mk2films

Innsbruck – Sechs Jahre Reportagen auf 100.000 Fotos. Wo soll man da beginnen? Regisseurin Mariana Otero stürzt mitten hinein in das Werk von Fotojournalist Gilles Caron, der mit seiner Kamera ab Mitte der Sechziger politische Umbrüche in aller Welt in spektakulären Aufnahmen festhielt. Und mit 30 spurlos verschwand.

Am Schluss der Arbeit von Otero stand eine Untersuchung in Form eines Dokumentarfilmes, „Looking for Gilles Caron“ (im Original: „Histoire d’un regard“), der morgen in den Kinos anläuft. Vorsichtig tastet sich die französische Produktion zu Caron vor, nähert sich ihm über seine eigenen Aufnahmen. Und versetzt die Zuseher unversehens mitten in die Pariser Studentenproteste von 1968, an die Seite von Studentensprecher Daniel Cohn-Bendit; in den Sechstagekrieg nach Israel oder ins Zentrum des Nordirlandkonfliktes 1969, ins verwüstete Londonderry.

📽️ Trailer | „Looking for Gilles Caron“ (Französisch)

Bild für Bild nimmt sich Otero vor, zeichnet auf Karten minutiös die Wege des Fotografen nach, trifft in Nordirland sogar Beteiligte, die auf Carons Fotos zu Ikonen einer Bewegung wurden. Auch fünfzig Jahre später erinnert sich die namenlose blonde Steinwerferin an alle Details dieser unwirklichen Zeit.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Nicht aber an Caron. Der Fotograf wird nur in Aufnahmen seiner Kollegen lebendig. In Ausschnitten zeigt Oteros Doku auch das einzige TV-Interview mit Caron, in denen der Fotojournalist über seine Erfahrungen in Biafra erzählt. Die Ereignisse während des nigerianischen Bürgerkriegs erschüttern den damals kaum Dreißigjährigen. Sie machen ihn sprachlos. Den Grund, warum Caron dennoch immer wieder an diese unmenschlichen Orten reist, verrät er seiner Mutter per Brief: „Ich wollte sehen.“

In Vietnam verliert sich seine Spur. Nur noch Fotos bleiben. Und jetzt diese sehr persönliche, berührende Doku. (bunt)

Looking for Gilles Caron. Ohne Altersangabe, ab Freitag im Leokino.


Kommentieren


Schlagworte