Unwetter besser vorhersagen: Tirol und Südtirol planen Niederschlagsradar

Tirol und Südtirol planen gemeinsam einen Niederschlagsradar, um vor Regen, Schnee und Hagel rechtzeitig gewappnet zu sein. Zurzeit wird der beste Standort gesucht.

Ähnlich wie dieser Niederschlagsradar am Gantkofel in Südtirol wird auch die neue Messstelle an der Tiroler/Südtiroler Grenze aussehen, die gerade in Planung ist.
© Autonome Provinz Bozen-Südtirol

Von Catharina Oblasser

Lienz, Bozen, Innsbruck – Messen, Registrieren, Aufzeichnen und Weiterleiten von Wetterdaten – das ist die Aufgabe des Niederschlagsradars, der in absehbarer Zeit an der Grenze zwischen Tirol und Südtirol seine Arbeit aufnehmen soll. Das Radargerät selbst befindet sich in einem so genannten Radom, einer schützenden Kugel mit drei bis vier Metern Durchmesser. Die Kugel kann auf einem Turm aus Metall oder Beton oder auch auf einem Gebäude angebracht sein. Projektpartner bei diesem Vorhaben sind Tirol, Südtirol und die ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik).

Je mehr Daten in die Prognosen der Experten einfließen, desto genauer lassen sich – auch kleinräumige – Unwetter wie Starkregen oder schwere Schneefälle vorhersagen. Und solche Wetterphänomene wird es aufgrund des Klimawandels immer häufiger geben, erklärt Manfred Bauer von der ZAMG. „Die präzise Lokalisierung wird als­o immer wichtiger.“

Zwar existieren im Alpenraum schon etliche Wetterstationen dieser Art, doch im Grenzgebiet Ost- und Südtirols bis zum Bereich von Cortina und Richtung Kärnten klafft eine Lücke, die mit dem aktuellen Projekt geschlossen werden soll. Damit wird das Netz an Wetterdaten dichter, die Daten somit aussage­kräftiger. Eine möglichst genaue Wettervorhersage sei nicht nur für die Bevölkerung wichtig, meint Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler. „Auch für den Katastrophenschutz und die Einsatzkräfte ist das von großer Bedeutung.“

Die Suche nach dem richtigen Standort ist nicht so einfach, weiß Marcel Innerkofler von der Landeswarnzentrale in Innsbruck. „Die Seehöhe allein macht es nicht aus. Es ist auch wichtig, dass der Radar freie Sicht rundum hat, möglichst über die gesamten 360 Grad.“ Dann kann das Gerät messen, ob es regnet, schneit oder hagelt, wohin die Wetterfront wandert und wie schnell sie sich bewegt – und das nicht nur oben am Berg, sondern auch in den Tälern. In den nächsten Wochen machen sich die Experten auf zum Lokalaugenschein. Zehn Standorte werden untersucht, zwei davon kommen in die engere Auswahl. An einem der beiden wird das Gerät schließlich aufgestellt.

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Bis es so weit ist, muss noch viel getan werden. „Wir müssen prüfen, wie der Standort erschlossen ist, wie schnell man dorthin gelangt, wenn Wartungen anfallen, und wie die Stromversorgung aussieht“, erklärt Innerkofler. Letztlich geht es auch um die Bezahlung. Allein das Radargerät kann bis zu eine Million Euro kosten. Dazu kommen Erschließungs- und Montagekosten. Deshalb ist ein Vertragsentwurf zur Finanzierung Teil des Projekts.

In Südtirol ist man von der Nützlichkeit des Vorhabens überzeugt. „Das Wetter hält sich nicht an politische Grenzen“, bringt es Günther Geier von der Agentur für Bevölkerungsschutz auf den Punkt.

Die Standortsuche läuft über das Interreg-Projekt „RaDoLive“ (Radar Dolomiti Live), wobei „Dolomiti Live“ die Regionen Osttirol, Südtirol und Alto Bellunese umfasst. Das Projekt wurde im Rahmen der Initiative fit4co der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino ausgearbeitet.


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