Franz Fischler für Koordination der EU bei Reisewarnungen

Der frühere EU-Agrarkommissar Franz Fischler hat von der EU-Kommission gefordert, eine Koordinationsfunktion hinsichtlich der steigenden Anzahl von Reisewarnungen innerhalb Europas zu übernehmen. „Wien, Innsbruck, München oder Budapest - plötzlich herrscht in allen vier Städten eine andere Situation“, kritisierte Fischler in einem Bericht der „Tiroler Tageszeitung“ (Donnerstags-Ausgabe). Diese Situation sei nicht europäisch, meinte er zudem.

Der Tiroler gab sich pessimistisch und befürchtete „in vier Wochen das totale Chaos bei den Reisewarnungen“. Die Kommission hätte diese Aufgabe „von Anfang an“ wahrnehmen sollen. „Der Gipfel der Staats- und Regierungschefs wurde leider auf nächste Woche verschoben, doch die Spitzen der EU-Länder müssten das aufs Tapet bringen“, sagte Fischler.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) schlug in dieselbe Kerbe: „Ich erwarte mir von der EU-Kommission und den Staatschefs schon eine einheitliche Regelung sowie eine kritische Analyse darüber, ob 50 Infizierte pro 100.000 Einwohner das richtige Maß für Reisewarnungen sind“, meinte er zur „TT“.

Bisher hatten die EU-Staaten Unterstützung signalisiert, die EU-Gesundheitsagentur ECDC mit dem Aufbau einer gemeinsamen Datenbank zum Infektionsgeschehen zu beauftragen. Doch einheitliche Regeln für Reisen in Risikogebiete waren noch nicht in Sicht, die Kommission hatte aber Vorschläge zur Vereinbarung von gemeinsamen Kriterien vorgelegt. Bisher entscheidet jedes Land selbst und nach eigenen Kriterien, welche anderen EU-Länder oder -Regionen es als Risikogebiet einstuft. Das führt zu großen Unterschieden.

Belgien hatte am gestrigen Mittwoch entschieden, ab Freitagnachmittag eine Reisewarnung für Tirol und Vorarlberg auszusprechen. Auch Deutschland setzte am gleichen Tag Vorarlberg auf die Rote Liste. Zuvor hatten bereits die Niederlande für die Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck eine Reisewarnung ausgesprochen. Einreisen aus Wien beschränken wegen der hohen Infektionszahlen mittlerweile mehrere Länder, darunter auch die Schweiz.


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