Der unbekannte Warhol im mumok

Dass es sich nicht um eine gängige Andy-Warhol-Ausstellung mit Suppendosen und Marilyn handelt, macht das mumok bereits mit dem Katalog zu „Andy Warhol Exhibits. A glittering alternative“ deutlich, der monochrome und abstrakte Formen auf dem Einband zeigt. Stattdessen präsentiert man großteils das bis dato nahezu unbekannte Frühwerk des Pop-Art-Gottes und vervollständigt damit die durch Corona aus dem Zeitplan geratene Ausstellungstrilogie zu Warhol im Haus.

„Finally“, freute sich denn auch mumok-Direktorin Karola Kraus am Donnerstag über die Komplettierung. Der dritte Teil „Misfitting together“ - eine Verordnung Warhols im kunsthistorischen Kontext seiner Zeit - ist bereits seit Juli im Haus zu sehen. Nun treten die zwei fehlenden Teile hinzu, von denen „Glittering alternative“ den weitaus größeren darstellt.

Im beinahe leergeräumten mumok-Erdgeschoß finden sich in luftig-leichter Glasarchitektur Zeichnungen aus den 50ern, die zum großen Teil noch nie in Österreich zu sehen waren. Die großformatigen „Marbled Papers“ aus 1954 etwa zeigen einen überraschend abstrakten Warhol, der die Blätter einst zu Pyramidenskulpturen anordnete, während „Ladies Alphabet“ beinahe karikaturenhafte Striche von Damen und als solche verkleidete Herren zeigt.

Die „Golden Slipper Show“ vereint vergoldete Schuhporträts, während die humorvollen „Cock Drawings“ Penisse in verschiedenster Variante zeigen, so auch in Hommage an den großen belgischen Kollegen mit „Dick a la Magritte“. Gemein ist bei aller Unterschiedlichkeit den Exponaten, von denen 80 Prozent aus dem Andy Warhol Museum in Pittsburgh stammen, der Hang zur Serie.

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Der Schritt von der Werkserie zum seriellen Arbeiten mit dem immer gleichen Motiv findet sich dann in der zweiten Ausstellungsebene, wo der „altbekannte“ Warhol seinen Platz hat. Bereits im Eingang wird der Besucher mit dem Farbrausch der legendären „Cow“ in Pink als Wandtapete erschlagen. In Folge finden sich typische Werkserien wie die verfremdeten, pornografischen „Sex Parts“ oder bekannte Arbeiten wie der „Skull“ aus 1976.

Als kleinen Seitenarm präsentiert man schließlich in der dritten Ausstellung in zwei Räumen schließlich noch „Defrosting the Icebox“, mit der dem Kurator Warhol mit einer Fantasierekonstruktion gehuldigt wird. Mit Preziosen aus der Antikensammlung des KHM und des Weltmuseums schafft man eine Hommage an Warhols Ende der 1960er initiierte Ausstellung „Raid the Icebox 1“, bei der er fremde Werke in der ihm eigenen, scheinbar arbiträren, ahierarchischen Manier anordnete.

So finden sich Mao-Statuen neben thailändischen Göttermasken, römische Fragmente in ÖBB-Transportboxen neben chinesischen Hausschuhen. In ihrer dreigesichtigen Gesamtheit zeigt die von Marianne Dobner kuratierte Ausstellungstrilogie somit Facetten eines Künstlers, der variantenreicher über sein Leben hinweg arbeitete, als es das gemeine Bild in der Öffentlichkeit meist suggeriert.


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