Mercedes G-Klasse: Wesentlich stärker als jeglicher Zeitgeist

Wer die Mercedes G-Klasse auf Offroad- und Onroad-Terrain selbst ausprobieren will, kann das im G-Class-Experience Center bei Graz tun.

AMG 63 mit 585 PS für den Asphalt, 350 d mit 286 PS fürs Grobe und den Wald.
© Mercedes-Benz

Von Beatrix Keckeis-Hiller

Graz – Ein starkes Stück hatte Mercedes vor 41 Jahren auf die Räder gestellt, als der Schah von Persien einen Geländewagen für Patrouillen- und Jagdfahrten bestellt hatte. Noch vor der Projekt-Vollendung, an der Österreich respektive Steyr Daimler Puch, heute Magna Steyr, Graz, einen Löwenanteil in puncto Entwicklung und Produktion hatte – und nach wie vor hat – musste Reza Pahlevi abdanken.

Was aber die G-Klasse (G wie Geländewagen) betrifft, so dachten die Stuttgarter nicht im Entferntesten ans Aufgeben. Das Resultat: Der Offroader heimste ab dem Start (1979) Meriten sonder Zahl ein und manifestierte sich als Ikone. Mit Leiterrahmen, Starrachse, echter Geländeuntersetzung und drei Differenzialsperren, in einer langen Reihe von Variationen, die in erster Generation unter anderem bis zum Cabrio und zum AMG mit V12-Aggregat reichten.

2018 war’s nach langer Dienstzeit mit der zweiten Generation so weit. Mit den notwendigsten Zugeständnissen an den Zeitgeist: nach allen Richtungen gewachsen und dezidiert in Richtung Komfort orientiert, auch digitalisiert. Doch mit im Prinzip gleichen, Geländewagen-gerechten Basis-Zutaten, vor allem aber mit zwar modernisiertem, doch auf den ersten Blick unveränderten Design-Ingredienzien.

Eine der markantesten Eigenschaften der G-Klasse ist – trotz stattlicher Statur (knapp 4,90 Meter Länge, rund zwei Meter breit und hoch) sowie gewichtiger Mächtigkeit (rund 2,5 Tonnen) – die Geländegängigkeit. Die blieb nicht nur erhalten, sie wurde noch weiter verfeinert, in Bezug auf Feinfühligkeit und Kletterfähigkeit.

Den Beweis, dass der neue Geländewagen alles kann, was der alte konnte – und noch mehr –, muss der Stern-Offroader erst erbringen: auf der hauseigenen Teststrecke, auf dem Schöckl, dem nicht allzu hohen (1445 Meter), doch dafür wilden Hausberg der Grazer. Die Offroad-Sektion gilt als eine der härtesten der Welt. Deshalb gehört sie auch den Profis.

Um trotzdem auch den G-Klasse-Käufern und -Aspiranten die Gelegenheit zu verschaffen, die vielfältigen Talente des Stuttgarters auszuloten, legte Mercedes im Vorjahr den Grundstein zu einem exklusiven Probier-, Test- und Trainingsgelände. Das befindet sich auf einem 10.000 Quadratmeter großen Areal des Grazer Flughafens. Samt Asphalt-Sektion mit Rutschbahn, Schleuderplatte & Co., fordernden und gerne schlammigen Wald-Passagen sowie einem künstlich errichteten Hügel, der eine Reihe von Fels-, Schotter-, Steigungs- und Gefälle-Formationen der Schöckl-Strecke eingebaut hat.

Die Eröffnung des G-Class Experience Centers erfolgte zwar noch im vorigen Jubiläumsjahr, doch musste, wegen der Corona-Krise, der Saisonstart 2020 auf den 1. Juli verschoben werden. Seither haben rund tausend Gäste Bekanntschaft mit den Fähigkeiten und der Stärke der G-Klasse gemacht. So wie wir im Rahmen eines Kurzprogramms mit dem AMG 63 und seinen 585 PS und 800 Nm aus einem 4,0-Liter-V8-Biturbo-Benziner auf Asphalt und mit dem 350 d (3,0-l-R6-Diesel, 286 PS, 600 Nm) auf dem Schöckl-Hügel und im Wald.


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