Wortgottesdienst: „Wir können uns derzeit vor Anfragen kaum retten“

Viele Pfarren sind an den Sonntagen auf Wortgottesdienstleiter angewiesen. In der Diözese ist das Interesse an Ausbildungen groß.

Das Wort Gottes solle in Buchform sichtbar sein, meint der Lienzer Dekan und Leiter der Diözesanstelle Bibelpastoral, Franz Troyer.
© Pfarre St. Andrä

Von Christoph Blassnig

Lienz, Innsbruck – Die beiden Seelsorgeräume Lienz Süd und Lienz Nord umfassen inzwischen jeweils fünf Pfarren bzw. Seelsorgestellen. Für einen einzelnen Priester ist es in einem solchen Verantwortungsgebiet schon zeitlich nicht mehr möglich, an allen Sonntagen in allen Gemeinden eine heilige Messe zu halten. Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler betont immer wieder, dass es überall kleine Gemeinschaften geben soll, die das religiöse Leben vor Ort gestalten und lebendig halten. Das sonntägliche Gebet in den Kirchen leiten immer häufiger engagierte Gläubige in Form von Wortgottesdiensten.

In der Diözese Innsbruck ist Christine Drexler als stellvertretende Vorsitzende in der Gemeindeberatung tätig. In ihrer Funktion leitet sie auch Ausbildungen zu Wortgottesdienstleitern. In der Regel finden in der Diözese zweimal jährlich solche Seminare statt, die jeweils eineinhalb Tage lang dauern. Auf Wunsch erhalten die Teilnehmer direkt im Anschluss ein Dekret, unterzeichnet vom Generalvikar, das sie fortan zur Abhaltung von Wortgottesdiensten berechtigt.

„Wenn es mehr Bedarf gibt, bieten wir auch öfter solche Workshops an“, sagt die Verantwortliche. Zuletzt hätten Schulungen in Absam und in Seefeld stattgefunden. Eine weitere wird Drexler am 16. und 17. Oktober in Sillian abhalten. „Das Interesse daran ist überall steigend“, berichtet die Ausbildungsleiterin. „Ich würde sogar sagen, wir können uns derzeit kaum retten vor Anfragen.“

„Jede Gottesdienstform hat besondere Schwerpunkte“

Der Mangel an Priestern mache den Einsatz von Ehrenamtlichen in ihren Gemeinden geradezu notwendig, um zumindest an den Sonntagen vor Ort einen Gottesdienst feiern zu können. Sie komme viel herum, meint Drexler. „Es ist auch für mich selbst eine Freude, überall mit so hochmotivierten Menschen zusammenzuarbeiten. Wortgottesdienstleiter entscheiden sich bewusst für diesen Dienst und wirken sehr ernsthaft und umsichtig.“ In der Ausbildung der Diözese folgen auf einen theologisch-pastoralen ersten Teil praktische Übungen. Es sollten auch, wenn möglich, immer zumindest zwei Personen einen Wortgottesdienst vorbereiten und halten.

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„Jede Gottesdienstform hat besondere Schwerpunkte“, würdigt der Lienzer Dekan Franz Troyer die Feier ohne anwesenden Priester. „Ich sage immer: Traut euch, und vergesst dabei nicht auf die Ästhetik.“ Das Wort Gottes solle in Form der Bibel sichtbar sein und nicht nur von kopierten Zetteln vorgelesen werden. „Ein Festmahl serviert man ja auch nicht auf Plastiktellern.“ Weiters sollten die Wortgottesdienste in der musikalischen Gestaltung aus dem Vollen schöpfen. „Warum soll nicht der Kirchenchor singen?“, will Troyer motivieren.

Am 1. Oktober treffen sich um 19.30 Uhr aktive und möglicherweise angehende Wortgottesdienstleiter des Dekanates Lienz in der Pfarrkirche zur Heiligen Familie, um sich nach einem geistlichen Impuls von Franz Troyer auszutauschen. Solche Treffen sollen in Zukunft regelmäßig stattfinden und auch der gemeinsamen Fortbildung dienen. Die Zahl an Interessenten sei auch in Osttirol groß, findet Troyer.


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