Innsbrucker "bilding": Eine Arche, um kreativ die Welt zu erkunden

Dass der fünfte Geburtstag des Innsbrucker bilding nicht sein letzter sein dürfte, ist die gute Nachricht. Gefeiert muss allerdings später werden.

Rund 3000 Kinder und Jugendliche erfahren im Innsbrucker bilding jährlich die unbändige Lust am Selber-Machen.
© Günter Richard Wett

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Das große Fest, mit dem der fünfte Geburtstag des bilding hätte gefeiert werden sollen, musste abgesagt bzw. aufgeschoben werden. Wobei es für Monika Abendstein, eine der Erfinderinnen und die Geschäftsführerin der Innsbrucker Kunst- und Architekturschule, eine große Freude ist, dass es ganz so ausschaut, dass es nicht der letzte Geburtstag dieses ursprünglich auf fünf Jahre angelegten Orts ist, in dem Vier- bis 19-Jährig­e auf Augenhöhe von KünstlerInne­n und ArchitektInnen angeleitet werden, die Welt umfassend zu verstehen oder „die richtigen Fragen zu stellen“, so Arno Ritter, aut-Chef und Obmann des gemeinnützigen Trägervereins.

Von Anfang im bilding mit dabei: Monika Abendstein.
© bilding

Das bilding versteht sich als analoger Gegenort zur digitalen Welt, in der die meisten der Jugendlichen permanent unterwegs sind. Im bilding wird dagegen gemalt, gezeichnet, gebildhauert, werden 1:1-Modelle gebaut. Es geht um die Lust am Selber-Machen, das leibhaftige Spüren von Materialie­n, die wunderbare Erkenntnis, etwas machen zu können, das einzigartig ist.

Die in alle Richtungen offen­e, vielfach gefaltete und geknickte Hülle aus Holz und Glas, in der das alles passiert, ist an sich schon das beste Beispiel für diese Haltung. Wurde das in eine weiße Lkw-Plane gehüllte „Raumwunder“ (Ritter) doch von Studenten des ./studio3 der Innsbrucker Architekturfakultät geplant und einen Sommer lang eigenhändig gebaut. Und das so überzeugend, dass das am Rand des Rapoldiparks auf einem von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellten Grundstück stehende Gebäude inzwischen so ziemlich alle Architekturpreise gewonnen hat, die es in Österreich zu gewinnen gibt. Eine „Auszeichnung für Neue­s Bauen in Tirol“ genauso wie einen ZV-Bauherrenpreis, aber auch einen Arthur-Haidl-Preis, der für vorbildliche Jugendarbeit vergeben wird.

Nutzung und Raum Hand in Hand

Das Freche, Unkonventionelle dieser an der Sill verankerten „Arche“ treffe exakt den Nerv der mehr als 3000 Kinder und Jugendlichen, die jährlich hier kreativ die Welt erkunden, sagt Abendstein. Ist für die gelernte Architektin das Gebäud­e doch ein Prototyp dessen, was Architektur im besten Fall können kann, gingen hier doch Nutzung und Raum Hand in Hand. Kinder, die am heurigen Sommerprogramm teilgenommen haben, hätten gesagt, das bilding sei zwar so etwas wie eine Schule, aber besser, weil man hier das machen könne, was man selbst will. Und auch die Lehrer seien keine „normalen“, sondern wie Kinder, die allerdings mehr können. Für Abendstein ist es wichtig, auch Kinder aus bildungsfernen, sozial schwachen bzw. migrantischen Milieus zu erreichen. Allerdings, obwohl die Kurse gratis sind, keine kostenlose Aufbewahrungsstätte zu sein.

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Stadt Innsbruck, Land Tirol und Bund subventionieren das bilding jährlich mit 90.000 Euro, die Ingenieur- und Architektenkammer mit 15.000 Euro. Der Rest muss durch Sponsoren bzw. Mitgliedsbeiträge eingespielt werden.

Im Oktober geht es wieder los. Die Kurse, die in kleinen Gruppen und möglichst im Freien stattfinden, seien trotz Corona gut gebucht, freut sich Monika Abendstein. Mit dem ungarischen Maler Gergö Bankusi hat das bilding heue­r erstmals auch einen „artist in residence“, dem man beim Arbeiten zu- bzw. ihm so allerhand abschauen kann.


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