Corona-Krise und ihre Gefahren: Alarm in Sachen Seele

Die Corona-Pandemie belastet immer mehr Menschen immer stärker. Experten mahnen von Politikern ein, die psychische Gesundheit der Bürger nicht zu vernachlässigen.

Angst, sich anzustecken, wirtschaftliche Probleme, Isolation: Viele Menschen leiden seelisch.
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Von Karin Leitner

Wien – Wie wirkt die Corona-Pandemie auf die Seele von Menschen? Damit haben sich Wissenschafter der Donau-Universität Krems beschäftigt. Während des Lockdowns sei „die depressive Symptomatik der österreichischen Bevölkerung wesentlich höher“ gewesen als davor, hat die Studie ergeben. Nach dem Shutdown, im Juni, ist dahingehend erneut untersucht worden. Das Ergebnis: Die „depressive Symptombelastung“ habe „trotz Lockerung der Ausgangsbeschränkungen weiterbestanden“. Und: „Die Anzahl neuer Depressionen war nach dem Lockdown fast doppelt so hoch wie der Rückgang im Lockdown bestehender Depressionen.“ Besonders betroffen seien jene, die „erhöhtes Stresserleben in Kombination mit verstärkter Einsamkeit durchlebt hatten“.

Der Spezialist für Psychotherapie, Thomas Probst, sagt: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass auch nach Ende des Lockdowns schnell verfügbare psychotherapeutische Angebote nötig sind. Besorgniserregend ist, dass mehr neue depressive Fälle zu beobachten waren. Dies kann sowohl für verzögerte Folgen des Lockdowns als auch für Einflussfaktoren unabhängig vom Lockdown, z. B. Infektionsangst, sprechen. Sollten weitere Lockdowns nötig werden, sind psychische Hilfsangebote vor allem für Personen mit erhöhter Einsamkeit in Kombination mit starkem Stresserleben zentral, um Depressionen entgegenzuwirken.“

„Viele Menschen leiden schwer"

Auch Michael Musalek, ärztlicher Leiter des Anton-Proksch-Instituts für Sucht­erkrankungen und Vorstand des Instituts für Sozialästhetik und psychische Gesundheit der privaten Sigmund-Freud-Universität in Wien und Berlin, warnt: „Viele Menschen leiden schwer. Sie brauchen Hilfestellungen, denn nicht zuletzt schwächt der Psychostress auch das Immunsystem, was Infektionsgefahren erhöhen kann.“ Eine repräsentative Befragung vor dem Sommer zu den seelischen Problemen wegen des Coronavirus und den politischen Vorgaben zu dessen Eindämmung hat ergeben: Ein Fünftel ist psychisch belastet. Bei Alleinstehenden, Familien mit Kindern unter 18 Jahren, Menschen in Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern und solchen mit einem Einkommen unter 1500 Euro sind es mehr.

14 Prozent geben an, vermehrt Alkohol zu konsumieren, ein Drittel raucht mehr als vor der Corona-Krise. Viele haben „Überforderungssymptome“.

Die Salzburger Kinder- und Jugendanwaltschaft alarmiert ebenfalls. Im Fokus sei nur die Krankheit, die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit würden „vergessen bzw. vernachlässigt“, befindet Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt: „Man darf eine erfolgreiche Politik nicht allein daran messen, ob es einen Covid-Fall weniger oder mehr gibt. Wie geht es den Kindern und Jugendlichen längerfristig?“ Obwohl in der Bundesverfassung festgeschrieben sei, dass bei allen politischen Aktionen das Kindeswohl vorrangig behandelt werden müsse, komme das in der Covid-Diskussion viel zu wenig vor.


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