Seniorentickets bleiben an das Alter gebunden: „Fadenscheinige Begründung“

Die Liste Fritz fordert das ermäßigte Öffi-Ticket bereits mit einem gültigen Pensionsbescheid. Für den VVT wäre das zu bürokratisch und nicht treffsicher.

Beim VVT hält man von einer Umstellung der Zugangsberechtigungen für das Seniorenticket nicht viel. (Symbolbild)
© Thomas Böhm

Innsbruck – Die Liste Fritz nennt es „PensionsPlus-Ticket“. Ein eben solches soll die schwarz-grüne Landesregierung mit dem Verkehrsverbund Tirol (VVT) ausverhandeln. Das Ziel dieses im Jänner eingebrachten Antrages ist klar umrissen: Ein solches Ticket solle allen Pensionisten in Tirol zugute kommen. Und zwar unabhängig von deren Alter. Wird es aber nicht. In einer Stellungnahme des VVT, welche zur Ausschuss-Behandlung dieses Antrags ab Mittwoch vorliegt, wird dem Antrag der Stuhl vor die Türe gestellt.

Aktuell können Seniorinnen und Senioren ermäßigte VVT-Einzel- bzw. Jahrestickets erwerben, sofern sie ein zentrales Kriterium erfüllen: Sie müssen 64 Jahre alt sein (ab 2022: 65 Jahre), egal ob Frau oder Mann – diese Gleichbehandlung ist einem Verfassungsgerichtshof-Urteil geschuldet.

„Die Begründungen, ein PensionsPlus-Ticket nicht einzuführen, sind vorgeschoben und fadenscheinig.“ – Andrea Haselwanter-Schneider
 (Klubobfrau Liste Fritz)
© Foto Rudy De Moor / Tiroler Tage

Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider stößt dabei aber sauer auf, dass somit all jene, die bereits vor diesem Alterslimit in Pension gehen, durch die Finger schauen. Zur Erinnerung: Das gesetzliche Pensionsantrittsalter der Frauen liegt bei 60, das der Männer bei 65 Jahren. 2018 lag das Durchschnittsalter beim Pensionsantritt bei 59,4 bzw. 61,5 Jahren. „Hier wird eine Gruppe auf Jahre ausgegrenzt“, ärgert sich Haselwanter-Schneider. Viele – speziell mit niedrigen Pensionen – seien auf verbilligte VVT-Tickets aber angewiesen. Die Liste Fritz fordert daher die Entkoppelung vom Alter und die Bindung an einen Pensionsbescheid eines gesetzlichen Pensionsversicherungsträgers. Ähnlich wie in Linz.

Beispiel Linz hinkt für den VVT

Der VVT begründet seine Absage damit, dass es für einkommensschwache Personen bereits Zusatzangebote gebe – so bspw. für Ausgleichszulagenbezieher. Das Beispiel Linz hinkt für den VVT. Dort benötige es nicht nur eine Einmalzahlung von 8 Euro, sondern auch einen „erheblichen bürokratischen Aufwand“. Zudem sei „ein positiver Pensionsbescheid ebenso kein Beleg für eine soziale Bedürftigkeit wie das Alter an sich“.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Haselwanter-Schneider hält diese Begründung für „vorgeschoben und fadenscheinig“: „Wenn Felipe etwas nicht will, dann soll sie es offen und ehrlich sagen.“ Die für die Öffis zuständige LHStv. Ingrid Felipe (Grüne), verwies gestern auf das Spezialticket für sozial Bedürftige, wie es eben auch Mindestpensionisten beziehen könnten. (mami)


Kommentieren


Schlagworte