Kein Lift-Transport, weil Sommerbetrieb: Rote Karte für viele Tiroler Wintersportler

Viele Tiroler, die gestern mit Ski oder Rodel den Schnee am Berg ausnutzen wollten, mussten unverrichteter Dinge heimkehren. Aus Haftungsgründen verweigerten Lifte den Transport.

Viele Tiroler (hier am Patscherkofel in Innsbruck) standen gestern verärgert an den Talstationen diverser Bergbahnen. Da diese nämlich noch im Sommerbetrieb sind, wollten sie keine Wintersportler befördern.
© Denise Daum

Von Benedikt Mair und Helmut Wenzel

Innsbruck – Grüne Wiesen im Tal, Sonnenschein und angenehme Temperaturen, am Berg allerdings mancherorts über ein halber Meter Neuschnee. Für viele Tiroler war diese Gemengelage gestern Anlass, ihre Tourenski, Rodeln oder für die Kinder den Rutschteller aus dem Keller zu holen und den Wintereinbruch mit etwas Bewegung zu zelebrieren. Ihre Rechnung haben sie jedoch ohne die Lifte gemacht. Da die meisten der Bahnen noch im Sommerbetrieb sind, wollten sie aus Haftungsgründen keine Wintersportler transportieren.

Die Enttäuschung war vielerorts groß. Am Patscherkofel in Innsbruck etwa mussten, wie Augenzeugen der TT berichten, nicht wenige Eltern ihre Kinder trösten, die sich schon auf den Tag im Schnee gefreut hatten. Auch habe es teils heftige Diskussionen mit dem Liftpersonal gegeben, die Einsicht bei den Wintersportlern ob der Gründe für die Zurückweisun­g sei enden wollend gewesen.

Die Verantwortung beginnt mit den Transport

„Ich verstehe, dass die Leute angefressen sind, ich verstehe die Enttäuschung“, sagt indes Adrian Egger, Geschäftsführer der Patscherkofelbahn. „Aber wir haben nun mal noch Sommerbetrieb.“ Am Berg gebe es keinen Pistendienst, der Schnee sei weder gebunden noch gefroren, der Untergrund brüchig. Außerdem „sind die Sturzbereiche oder die Hydranten für die Beschneiung noch nicht abgesichert. Und wenn da etwas passiert, sind wir als Bergbahnen in der Haftung“, erklärt Egger, der dieses Risiko nicht eingehen möchte. „Natürlich können die Leute zu Fuß vom Parkplatz hinauf zum Schnee gehen, wenn wir sie aber transportieren, übernehmen wir die Verantwortung.“

Ähnlich argumentiert wird in St. Anton. Mehrere Wintersportler samt Gerät, auch hier zahlreiche Familien mit Kindern, wollten mit der Galzig- bzw. Vallugabahn in Richtung Berg und damit Schnee fahren. Sie wurden abgewiesen. Eine Mitnahme von Wintersportgeräten sei laut Betriebsordnung nicht erlaubt, heißt es auf Nachfrage.

Schlick 2000 drückte ein Auge zu

Und Stefan Klotz, Geschäftsführer der Muttereralm Bergbahnen in Mutters, verweist auf die „Pistensicherungspflicht“, wegen der Wintersportler nicht transportiert wurden. „Es gab bei uns einige Skitourengeher, die gemeint haben, hochfahren zu müssen.“ Nachdem diesen aber erklärt worden sei, warum sie nicht transportiert werden können, „waren sie einsichtig. Wenn wir sie mit der Bahn befördern und ihnen damit quasi die Möglichkeit geben, ihren Sport durchzuführen, sind wir auch verantwortlich, wenn etwas passiert.“ Ein Auge zugedrückt wurde im Skizentrum Schlick 2000 in Fulpmes, wie Geschäftsführer Martin Pittl berichtet. „Am Samstag sind zwei Wintersportler den Berg raufgefahren, am Sonntag waren es rund zehn. Alles Einheimische.“ Diese Praxis sei angebraucht, sie bereite ihm keine Sorgen.

Willi im Gespräch über Haftungsverzicht am Patscherkofel

Bewegung kam gestern Nachmittag noch in den Fall der Patscherkofelbahn. Mit Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi meldete sich der Eigentümervertreter zu Wort und versprach gegenüber der TT, an einer Lösung zu arbeiten. „Wir sind im Spannungsfeld zwischen dem berechtigten Wunsch vieler, den ersten Pulverschnee zu genießen, und der Haftung der Patscherkofelbahn für die Sicherheit ihrer Kunden.“ Wie Willi betont, sei in einem Gespräch mit Geschäftsführer Egger vereinbart worden, einen Haftungsverzicht auszuarbeiten. „Wer den unterschreibt, trägt das Risiko selbst, soll dann aber auch den Schnee genießen können.“

📸 Bilder vom Wintereinbruch in Tirol


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