Ringen um Uni-Budgets ab 2022

Am 1. Oktober startet zwar erst das Studienjahr 2020/21. Im Fokus von Universitätenkonferenz (uniko) und Bildungs- bzw. Finanzministerium steht in diesen Tagen aber bereits auch der Zeitraum von 2022 bis 2024. Bis Ende Oktober muss nämlich das Uni-Budget für diesen dreijährigen Zeitraum feststehen. In der laufenden Leistungsvereinbarungsperiode (2019 bis 2021) sind es rund elf Mrd. Euro - die uniko pocht auf ein Plus von 2,1 Mrd. Euro, das wären rund 19 Prozent.

Diese Forderung stand schon vor der Corona-Pandemie im Raum. Sie ergibt sich aus Teuerungs- und Struktureffekten in Höhe von 700 Mio. Euro, 550 Mio. Euro für Bauten, Mieten und Infrastruktur-Investitionen, 500 Mio. für die Fortsetzung der Studienplatzfinanzierung bzw. Verbesserung der Betreuungsrelationen sowie 350 Mio. Euro für den Ausbau der Stärkefelder bzw. Digitalisierung.

Wirklich widersprochen habe dieser „astronomischen Summe“ niemand, merkte uniko-Präsidentin Sabine Seidler vor kurzem bei einer Pressekonferenz an. Andererseits: Wirklich zugesagt wurde sie auch nie.

Zum Vergleich: 2010 bis 2012 betrug das Budget noch 8,2 Mrd. Euro. Anschließend gab es ein Plus auf 9,1 Mrd. (elf Prozent) für 2013 bis 2015 sowie einen Zuwachs auf 9,7 Mrd. Euro (sieben Prozent) für 2016 bis 2018. Besonders hoch fiel das Plus mit 13 Prozent auf elf Mrd. für 2019 bis 2021 aus - damals wurde die Ursprungsforderung der uniko nach einem Anstieg um 1,5 Mrd. Euro mit einem Zuwachs von 1,35 Mrd. fast erfüllt.

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Gegen eine vollständige Realisierung des Rektorenwunsches nach einem „Wachstumsbudget“ spricht neben der durch die Corona-Pandemie angespannten Lage des Bundeshaushalts auch die Entwicklung der Studentenzahlen: Seit 2017 sinken diese nämlich - zwar nicht dramatisch und an allen Unis einheitlich, aber kontinuierlich. 2016 waren im Wintersemester noch knapp 281.000 ordentliche Studenten inskribiert, 2019 waren es nur mehr 265.000. Auch die Zahl der Studienanfänger (Wintersemester 2016: 48.000, Wintersemester 2019: 45.000) bzw. der von diesen begonnenen Studien ging zuletzt zurück (Wintersemester 2016: 69.000, Wintersemester 2019: 64.000).

Hier machten sich einerseits sinkende Maturantenzahlen aufgrund der demografischen Entwicklung, neue Zugangsbeschränkungen sowie die Konkurrenz durch andere Hochschultypen wie Fachhochschulen oder Privatunis bemerkbar. Wie sich die Studentenzahlen nun im ersten Wintersemester nach der Corona-Pandemie entwickeln, ist noch unklar: Einerseits sorgen Krisenzeiten meist dafür, dass etwa Maturanten statt am Arbeitsmarkt verstärkt an den Hochschulen landen bzw. Bachelor-Absolventen statt in den Job eher ins Master-Studium wechseln - umgekehrt könnten aber auch viele ausländische Studierende heuer fernbleiben.

Die uniko argumentiert grundsätzlich, dass weniger Mittel für die Verbesserung der Betreuungsrelationen - ein explizites Ziel für die laufende Leistungsvereinbarungsperiode - trotzdem widersinnig wären: „Es wäre ein Schildbürgerstreich, wenn wir bis Ende 2021 neue Leute einstellen und ab Anfang 2022 dann anfangen, wieder Personal abzubauen“, so Seidler zuletzt. Treffen würde dies nicht die gerade eingestellten Professoren, sondern den wissenschaftlichen Nachwuchs mit befristeten Verträgen.

Abseits vom Auf und Ab in Österreich empfiehlt sich auch ein Blick über die Grenzen nach Deutschland und in die Schweiz. Dort studieren laut einer Vergleichsstudie des Forschungsrats bezogen auf die Einwohnerzahl deutlich weniger Personen an einer Uni (Österreich: 33,1 pro 1.000 Einwohner, Deutschland 21,5 und Schweiz 17,8) und umgekehrt mehr an Fachhochschulen.

Dafür ist der öffentliche Aufwand pro Uni-Student in diesen beiden Ländern auch deutlich höher als in Österreich. Dieser beträgt in der Schweiz umgerechnet rund 47.300 Euro, in Deutschland 16.500 und in Österreich 11.900 Euro. Das zeigt sich auch am Gesamtbudget: Im Jahr 2018 betrug etwa das Uni-Budget in Österreich 3,83 Mrd. Euro, in der Schweiz und in Bayern jeweils 7,4 Mrd. Euro.


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