Deutscher Atommüll sucht Lager und schielt nach Bayern

Viele Gebiete sind als Endlager für radioaktiven Abfall geologisch geeignet, der politische Streit hat begonnen. Eine Million Jahre muss das Endlager für Atommüll sicher sein.

Fässer mit radioaktivem Abfall müssen für eine Million Jahre sicher untergebracht werden. Nur wo?
© APA/dpa/Sebastian Kahnert

Berlin – Eine Million Jahre muss es sicher sein – das unterirdische Lager, in dem Deutschlands radioaktiver Abfall für immer verschwinden soll. Diesen Ort will niemand in seiner Nähe haben, und so dauert die Suche danach bereits Jahrzehnte. Gestern hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) in einem Zwischenbericht 90 Gebiete mit günstigen geologischen Voraussetzungen für so ein Endlager ausgewiesen. Betroffen sind bis auf das Saarland alle Bundesländer, ganz besonders aber Bayern und Niedersachsen.

Es war erst der erste Schritt in einem langen Auswahl- bzw. Ausscheidungsverfahren. Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden. Die Suche beginnt also eigentlich erst, doch Bayern läuft bereits jetzt Sturm.

Der zerklüftete Granit in Bayern sei nicht ohne zusätzliche technische Maßnahmen geeignet, sagt Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Was wiederum außerhalb Bayerns nicht gut ankommt. „Es gibt in diesem Auswahlverfahren keine Extrawürste für niemanden“, betont Söders Amtskollege in Niedersachsen Stephan Weil: „Voraussetzung für das Gelingen dieses Prozesses ist, dass sich alle an die Regeln halten und kein Land meint, es könnte sich aus dieser Diskussion herausstehlen.“

In Tirol dürfte man aber weiterhin ruhig schlafen können. Dass ein bayerisches Gebiet in direkter Nähe in die engere Betrachtung kommt, ist aus geologischer Sicht äußerst unwahrscheinlich: zum einen, weil die Kalkalpen an der Grenze zu Deutschland aufgrund von Verkarstung dafür ungeeignet sind und/oder die seismische Aktivität in der Region dagegen spricht.

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Überrascht hat gestern, dass Gorleben für ein Endlager geologisch bereits ausgeschieden ist. Immerhin befindet sich seit den 1980er-Jahren ein Zwischenlager in einem Salzstock.

Das letzte Atomkraftwerk in Deutschland soll 2022 vom Netz gehen. Bis zur Fertigstellung eines Endlagers drohen die strahlenden Überreste derweil wohl weiterhin in Gorleben untergebracht zu werden. (sta)


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