Effizienter testen und bessere Diagnose: Tiroler Klinik-Direktor fordert Umdenken

Bei jedem Corona-Verdachtsfall Quarantäne und Contact-Tracking zu starten, wird vom Innsbrucker Klinik-Direktor Günther Weiss kritisiert.

Für Experten sind manche Corona-Maßnahmen übertrieben.
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Innsbruck – Was könnte in der Abwicklung besser laufen, welche Erkenntnisse zu Covid-19 gibt es, welche Engpässe könnten auftreten? Damit beschäftigen sich Tirols Ärzte.

1 Triage: Wie sollen die niedergelassenen Ärzte in Grippezeiten mögliche Covid-Infizierte von nicht Infizierten trennen? Die Empfehlung beim Ärztetag lautete, durch eine telefonische Abfrage im Vorfeld oder die Möglichkeit, schon online einen Fragebogen auszufüllen, und dann durch eine zeitliche Trennung von anderen Patienten. Von Containerlösungen vor der Praxis als Triage wurde abgeraten. Eine Triage funktioniere räumlich (wie vor etwa vor Spitälern) nur, wenn dort auch ein Arzt für eine erste Diagnose anwesend sei.

2 Verdachtsfälle: Jeden Verdachtsfall melden? Univ-Prof. Günther Weiss, Direktor Univ.-Klinik für Innere Medizin II, kritisiert, dass dadurch bei Menschen, die etwa Halsweh haben, gleich das Contact-Tracking samt Begleitmaßnamen starte. Oft stelle sich dann aber heraus, dass der Patient kein Corona hat. Viel unnötige Arbeit könne man sich sparen, wenn bei man Patienten mit niedrigen Viruszahlen nach zwei Tagen nochmals teste und die Quarantäne dann aufheben könnte.

3 PCR-Test: Manche PCR-Tests fallen laut Weiss über Wochen positiv aus, so dass der Patient zuhause bleiben muss, obwohl er gesund ist. Das müsse durch symptomorientierte Diagnostik geändert werden. Auch bei Influenza und andere Krankheiten würden gewisse Viren noch monatelang etwa im Harn nachgewiesen. Das sei nicht ungewöhnlich und deswegen werde keiner monatelang krankgeschrieben.

4 Langzeitfolgen: Laut Infektiologe Günther Weiss wurden im Rahmen einer Studie mit 120 Covid-19-Patienten festgestellt, dass 65 % noch sechs bis acht Wochen nach Ausbruch der Krankheit Symptome wie schlecht schlafen, schwitzen, sich schlapp fühlen aufwiesen. Nach drei Monaten aber ging es ihnen merklich besser. So eine Studie habe man leider bei Influenza nie gemacht. Auch da fühle man sich relativ lang schlapp.

5 Physiotherapie: Es mangelt in Corona-Zeiten an Physiotherapeuten. Der Grund: Patienten, die wegen Atemproblemen im Spital behandelt werden, haben in Bauchlage weniger Probleme. Das macht eine Physiotherapie nötig.

6 Intensivschwestern: Bei der ersten Welle hat man laut Primar Stephan Eschertz­huber im LKH Hall festgestellt, dass der Mangel an Intensivschwestern zum Problem werden könnte. (ad)


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