Hochner-Preis-Verleihung 2020 im Zeichen von Corona

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Montag die beiden von der Journalistengewerkschaft ausgeschriebenen Auszeichnungen - den Hochner-Preis sowie den Vorhofer-Preis - an die Preisträgerinnen verliehen. Das Staatsoberhaupt hob in seiner Rede in der Wiener Hofburg die besondere Verantwortung der Medien in der Coronakrise hervor. Ausgezeichnet wurden heuer ORF-Journalistin Ulla Kramar-Schmid und Petra Stuiber vom „Standard“.

Van der Bellen wies bei dem Festakt am späten Montagnachmittag laut Redemanuskript auf die besonderen Umstände der diesjährigen Preisverleihung hin. Die Zeremonie könne Pandemie-bedingt nur in kleinerem Rahmen stattfinden, so der Präsident. Und er betonte die besondere Verantwortung der Journalisten „in diesen Krisenzeiten“: „Es gilt, die relevanten Informationen über die Ausbreitung und Wirkungsweise des Virus zu liefern, es gilt zu berichten, wie man sich schützen kann, es gilt, die Maßnahmen des staatlichen Krisenmanagements zu kommunizieren, ohne in Komplizenschaft zu verfallen“, sagte er. Gerade auch in Krisenzeiten sei es wichtig, die „kritische Distanz“ zu wahren, die verordneten Maßnahmen richtig einzuordnen und kritisch zu hinterfragen.

Insgesamt attestierte Van der Bellen dem heimischen Journalismus, diese Aufgaben verantwortungsvoll erfüllt zu haben. „Wenn die Corona-Pandemie eines bestätigt hat, dann das: Die Demokratie braucht unabhängige Medien, braucht unabhängigen Journalismus, braucht Sie!“ Die Presse- und Medienfreiheit sei ein „wertvolles und wichtiges Fundament unserer Demokratie“. „Dies gilt es, uns immer wieder ins Bewusstsein zu rufen.“ Und Van der Bellen wies auch auf die Arbeitsbedingungen hin, die auch für Journalisten schwieriger geworden seien: „Die allermeisten Medien haben von einem Tag auf den anderen auf Home-Office umgestellt, sehr viele auch auf Kurzarbeit.“ Auch die wirtschaftliche Situation vieler Medien habe sich „dramatisch verschlechtert“. Dazu würden auch noch Lügenpresse-Vorwürfe einzelner Leser und Seher kommen, mit denen sich die Medien auseinandersetzen müssen.

Die beiden Preisträgerinnen 2020 sind bereits seit Ende Juli bzw. Anfang September bekannt. Der heuer zum 16. Mal vergebene Robert-Hochner-Preis für Radio/TV geht an Ulla Kramar-Schmid, Leiterin des Bereichs Investigative Recherche im Aktuellen Dienst beim ORF-Fernsehen. In der Jury-Begründung vom 4. September hieß es, Kramar-Schmid lasse sich nicht einschüchtern „und zeigt bei ihrer Arbeit besonderes journalistisches Rückgrat“. Vielschichtige Zusammenhänge werden von ihr für das Fernsehpublikum „nachvollziehbar auf den Punkt gebracht“. Gerade in Zeiten versuchter Message Control „mit wachsendem Inszenierungspersonal in den politischen Kabinetten und rückläufigen Kapazitäten in heimischen Redaktionen, habe die Arbeit investigativer Journalistinnen und Journalisten unverzichtbare Bedeutung erlangt. Kramar-Schmid nehme hier eine „Leuchtturmfunktion“ ein, erklärte die Jury.

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„Standard“-Journalistin Stuiber wurde für ihre kritischer Haltung gegenüber Machthabern und ihrem kritischen Blick auf die Gesellschaft mit dem Vorhofer-Preis ausgezeichnet. „Soziale Verantwortung spricht aus allen Artikeln und Kommentaren“, so die Jury in ihrer Ende Juli veröffentlichten Begründung. So habe sie etwa schon früh auf die zu erwartenden Auswirkungen der Coronakrise auf Frauen bis ins Alter hingewiesen. Die Preise sind jeweils mit 7.500 Euro dotiert, Sponsor der Auszeichnung ist der Verbund.

Erfreut zeigte sich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz: „Ich gratuliere Ulla Kramar-Schmid sehr herzlich zu dieser Auszeichnung“, sagt er in einer Aussendung. „Der Robert-Hochner-Preis ist nach diversen Ehrungen wie dem Horst-Knapp-Preis oder ‚Journalistin des Jahres‘ im Bereich Investigation eine weitere Anerkennung ihrer journalistischen Qualitätsleistung. Ulla Kramar-Schmid hat nicht nur bei internationalen Recherchen wie zu den Panama-Papers sowie zuletzt den FinCEN-Files und Odebrecht-Skandal dazu beigetragen, dass investigative Recherche im ORF eine der tragenden Säulen unserer Arbeit ist.“


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