Der Vereins-Obmann spricht heuer per Livestream

Schwierige Zeiten für die Jahreshauptversammlungen von Vereinen und Tourismusverbänden. Die Geselligkeit beim Wirt fällt vorerst aus. Immer mehr setzen auf Livestream für die Mitglieder.

Jahreshauptversammlungen, im Bild ein Archivfoto vom Tiroler Skiverband, können derzeit nur unter strengen Auflagen erfüllt werden.
© Michael Kristen

Tirol – Die 358 Feuerwehren in Tirol bekamen vorige Woche Post von ihrem Landeskommando. Grund sind die bevorstehenden Jahreshauptversammlungen. „Sie werden im ersten Quartal 2021 abgehalten und wegen der Corona-Pandemie muss dabei heuer vieles berücksichtigt werden“, erklärt Anton Wegscheider als Pressesprecher des Landesfeuerwehrverbands. Mit dem Lockdown im März habe man die Zusammenkünfte nur noch auf den Einsatzdienst beschränkt. Nun aber gelte es die per Statuten verpflichtend durchzuführenden Jahreshauptversammlungen vorzubereiten.

„Wir haben dazu alle schriftlich über die gesetzlichen Bestimmungen in Sachen Corona informiert“, sagt Wegscheider. Neuwahlen stünden nirgends an, weil es aber bei der Entlastung der Funktionäre zu Abstimmungen komme, sei eine Teilnahme per Live-Übertragung kein Thema. Stattdessen gelte es, größere Säle zu finden, damit in etwa die Vorjahresteilnehmerzahl Platz findet und ein Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden kann. „Unter zwei Metern fallen die Teilnehmer bei einem positiven Covid-Fall als Kontaktperson in die K1-Kategorie, so in die K2“, erklärt Wegscheider.

Wir haben ein Team geschaffen, das sich aufs Streamen spezialisiert hat.
Andreas Mader (Rotes Kreuz Schwaz)

Beim Roten Kreuz in Schwaz hat man unterdessen schon bewiesen, dass Jahreshauptversammlungen trotz Neuwahlen per Streaming möglich sind. „Unsere Versammlung fand unter strengsten Sicherheitsbestimmungen statt. Zudem wurde live an die Mitglieder zu Hause gestreamt“, schildert Andreas Mader vom RK Schwaz. Man habe inzwischen ein Team auf die Beine gestellt, das sich auf das Streamen von Veranstaltungen via diverser Medien spezialisiert habe. „Gerne sind wir auch anderen Institutionen behilflich in diesem Bereich“, sagt Mader. Die Wahlen erfolgten heuer in den Ortsstellen mit strengen Auflagen, wobei jeweils mehrere Stunden pro Ortsstelle eingeplant wurden, um eine Verteilung des Ansturms der Mitglieder zu gewährleisten.

Gemeinsame Treffen wird es bei den Tourismusverbänden jedenfalls geben. Die Jahreshauptversammlungen finden statt – genauso wie Wahlen, die heuer bei fünf Tiroler Verbänden anstehen. Das Land habe dafür strenge Sicherheitsmaßnahmen vorgegeben, erklärt Gerhard Föger, Leiter der Abteilung Tourismus beim Land Tirol. Ganz vorn dabei sind die vorhergehende Anmeldung zur Veranstaltung, fix zugewiesene Sitzplätze, Maske und Sicherheitsabstand.

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Wie üblich hätten Stimmberechtigte auch diesmal die Chance, ihre Wahlkarten eine Woche vor den Sitzungen in den TVB-Büros abzugeben, ruft Föger in Erinnerung. „Man muss also nicht zwingend am Abend der Vollversammlung anwesend sein. So kann man Menschenansammlungen vermeiden.“

Die Wahlen zu verschieben, halte Föger für wenig sinnvoll, „keiner kann sagen, was im Frühjahr ist. Es braucht auch in schweren Zeiten ein bisschen Normalität.“

Es braucht auch in schweren Zeiten ein bisschen Normalität.
Gerhard Föger (Abteilung Tourismus)

Einen besonderen Weg wollen sich die Mitglieder des TVB Wilder Kaiser einfallen lassen. Die Wahl am 20. Oktober erübrigt sich zwar bereits – für jede Stimmgruppe gibt es nur einen Wahlvorschlag –, doch an der Jahreshauptversammlung sollen so viele Menschen wie möglich teilhaben: 100 Personen werden gemäß Covid-19-Verordnung im Saal des Söller Dorfwirts eingelassen – mittels Video-Übertragung im Internet wird das Spektakel aber für eine breite Öffentlichkeit live zu sehen sein. „Mitglieder, aber auch Interessierte sind eingeladen, die Veranstaltung via Live-Stream auf unserer Website zu verfolgen“, lädt TVB-Geschäftsführer Lukas Krösslhuber ein. Dies wolle er auch nach der Krise beibehalten, erklärt er.

Überrascht auf diese Ankündigung reagiert Tourismussprecher Gerhard Föger. Im Tourismusgesetz gebe es diesbezüglich keine Bestimmung, die Vollversammlung sei aber eigentlich nur für Mitglieder gedacht. „Man wird sich das Für und Wider dieser Herangehensweise überlegen müssen“, meint Föger, der „grundsätzlich jedes Interesse am Tourismus“ begrüßt. Bei Wahlen sei eine Stimmabgabe jedenfalls nur persönlich – frühzeitig im Büro oder am Wahlabend vor Ort – möglich.

Aus Sorge, wichtige Infos über Corona-Maßnahmen im Winter zu verpassen, müsse übrigens niemand zur Versammlung kommen, schickt Krösslhuber voraus. Dafür werde es noch eigene Sitzungen mit den Mitgliedern geben.

Aufschieben kommt für mich nicht in Frage. Das ist nicht meine Art.
Martin Jäger (Obmann Musikkapelle Pflach)

Für die Vereine werden Jahreshauptversammlungen auf alle Fälle eine organisatorisch knifflige Aufgabe. Viele haben ihre Versammlungen im Gasthaus abgehalten und nach getaner Arbeit zum Essen und Trinken eingeladen. Das wird es nicht mehr spielen. Auch der Vorstand der Musikkapelle Pflach stand vor der Frage – Verschieben der Jahreshauptversammlung oder Durchziehen? Für Obmann Martin Jäger war klar: „Wir ziehen es durch. Aufschieben kommt für mich nicht in Frage, das ist nicht meine Art.“ Schließlich wisse auch niemand, wann es wieder besser wird.

Die Pflacher Musikanten, die 2021 ihr 100-jähriges Bestehen feiern, halten die Jahreshauptversammlung nun wie bei ihnen Usus zu Allerseelen am 2. November im großen Saal des Kulturhauses ab. Heuer sind nur Stimmberechtigte geladen, keine Politiker, Ehrengäste oder andere Vereinsfremde. Auf Grund der außerordentlichen Umstände wird es nichts zu trinken oder essen geben. Eine so genannte Kinobestuhlung garantiert die Abstände. Jeder zieht beim Eintritt eine nummerierte Platzkarte für seinen Sitzplatz. „Sollte jemand nicht kommen wollen, kann er der Sitzung auch auf einem Portal wie Skype zugeschaltet folgen“, erklärt Jäger. Diese Möglichkeit werde von Vorstandsmitglied Karl-Heinz Wex technisch ermöglicht. Die Kapelle führt derzeit übrigens auch ihre Proben durch, allerdings nach Registern getrennt. (jazz, ad, hm)


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