Erboste Mandatare strafen Wängles Bürgermeister ab

Nachdem BM Müller dem Gemeinderat nur einen Entwurf statt eines in Wirklichkeit längst unterzeichneten Vertrags vorgelegt hatte, wurde er als Substanzverwalter demontiert.

Der Wängler Gemeinderat hat Bürgermeister Christian Müller als Sub­stanzverwalter abgewählt.
© Weirather

Von Helmut Mittermayr

Wängle – Ein Lauf ist etwas anderes. Wängles Bürgermeister Christian Müller bekommt gerade jede Menge Druck – und Gegenstimmen. Zudem wurde er Montagabend in einer äußerst emotionalen Sitzung seines Amtes als Substanzverwalter der Gemeindegutsagrargemeinschaft enthoben und Vizebürgermeister Peter Schautzgy zu seinem Nachfolger gekürt.

Der Auslöser: Eine Fischzucht in Lechaschau hatte auf Grund des guten Geschäftsgangs eine Erweiterungsmöglichkeit gesucht und dafür Flächen im Ortsteil Hinterbichl und den Sanktus der Agrargemeinschaft Wängle benötigt, die Müller nach außen vertritt. Der Dorfchef verhandelte mit dem Unternehmen – es geht um 7000 Quadratmeter Grund und eine Laufzeit von Jahrzehnten – und wurde handelseins. Der Vertrag war im Juni flott unterzeichnet, die Agrarbehörde musste ihn nur noch durchwinken – tat es aber nicht. Denn bei einem Geschäft dieses Umfangs sei ein Gemeinderatsbeschluss unumgänglich, hieß es von Seiten der Behörde.

Also präsentierte Müller den Mandataren im August einen Entwurf. Keiner wusste zu diesem Zeitpunkt, dass der Vertrag längst unterzeichnet war, Müller vergaß es zu erwähnen. Sein Pech: Die Gemeinderäte wollten nicht umgehend unterschreiben, brachten eigene Vorstellungen ein und verlangten eine Begehung.

Sieben Ja, drei Enthaltungen

Diese fand nun am Montag statt. Aufgebrachte Hinterbichler, die um eine Vielzahl gefällter Bäume fürchteten, machten zudem Stimmung gegen das Projekt. Dass ein Anrainer dann noch die Frage stellte, was der Gemeinderat hier überhaupt wolle, da doch alles längst unterschrieben sei, brachte das Fass zum Überlaufen. In der direkt anschließenden Gemeinderatssitzung wurde Müller seines Amtes als Substanzverwalter der Agrargemeinschaft enthoben. Das Votum: Sieben Ja, drei Enthaltungen, nur er selbst stimmte gegen die Absetzung.

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BM Müller gegenüber der TT: „Ich wurde leider juristisch falsch beraten und glaubte den Gemeinderat nicht informieren zu müssen.“ Hintergehen wollte er die Mandatare auf keinen Fall. Der unterschriebene Vertrag sei beim Notar gelegen, und so habe er halt einen leeren Entwurf vorgelegt.

Erst eine Sitzung zuvor war Bürgermeister Müller vom eigenen Gemeinderat mit 10:1 Stimmen beim Projekt neue Feuerwehrhalle/Mehrzwecksaal abmontiert worden.


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