13 Jahre Straflager für russischen Historiker Dmitrijew

Ein Oberstes Gericht in Russland hat in einem umstrittenen Verfahren die Haftstrafe für den Historiker und Menschenrechtler Juri Dmitrijew auf 13 Jahre Straflager hochgestuft. Das teilte die Menschenrechtsorganisation Memorial am Dienstag in Moskau mit. Das harte Urteil des Obersten Gerichts in der nordrussischen Region Karelien gegen den 64-Jährigen kam vollkommen überraschend. Im Juli hatte ein Richter den Historiker zu dreieinhalb Jahren verurteilt.

Er sollte nach jahrelangen Ermittlungen und Untersuchungshaft im November freigelassen werden. Die Staatsanwaltschaft legte jedoch Berufung ein und forderte eine höhere Strafe. Sie hatte zunächst 15 Jahre Haft beantragt. Dmitrijew wird vorgeworfen, seine minderjährige Adoptivtochter missbraucht zu haben. Er selbst weist das zurück und hält die Vorwürfe wegen seiner kritischen Arbeit bei Memorial für politisch motiviert.

Der Historiker hatte Verbrechen unter Sowjetdiktator Josef Stalin öffentlich und sich selbst damit Feinde im Machtapparat gemacht. Russlands Sicherheitsbehörden gehen seit Jahren massiv gegen Andersdenkende vor. Kritiker werfen dem Kreml eine Zunahme von Repressionen vor.

Zahlreiche internationale Menschenrechtler setzten sich für den Wissenschaftler ein, darunter die Literaturnobelpreisträgerinnen Herta Müller und Swetlana Alexijewitsch. In einem früheren Verfahren war Dmitrijew von den Vorwürfen freigesprochen worden. Allerdings kassierte das Oberste Gericht der Republik Karelien 2018 den Freispruch und ordnete ein neues Verfahren an.

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