NGOs erneuern Evakuierungsappell an Regierung wegen Moria

Drei Wochen nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos rufen heimische Hilfsorganisationen die Bundesregierung erneut dazu auf, die Evakuierung besonders schutzbedürftiger Personen nach Österreich zu ermöglichen. Weder auf Lesbos noch auf den anderen griechischen Inseln habe sich die Lage entspannt, begründeten Ärzte ohne Grenzen (MSF), Rotes Kreuz, Caritas und Diakonie ihren Appell am Mittwoch in einer gemeinsamen Aussendung.

Nur Zelte und Decken zu schicken, reiche nicht. „Evakuierungen sind das Gebot der Stunde“, so die vier Organisationen. In der türkis-grünen Koalition lehnt vor allem die ÖVP die Aufnahme Geflüchteter von den griechischen Inseln strikt ab. Stattdessen wurden etwa Hilfe für Griechenland in Form von Zelten, Decken und Hygienepaketen sowie eine Erhöhung des Auslandskatastrophenfonds (AKF) beschlossen.

„Während in ganz Europa gefordert wird, dass sich das Desaster von Lesbos nicht wiederholen darf, entsteht vor unseren Augen ein neues Moria“, sagte Laura Leyser, die Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen Österreich. Das neue Lager auf Lesbos, Kara Tepe, sei als dauerhafte Lösung ungeeignet. Schutzsuchende könnten dort nicht angemessen versorgt werden und aufgrund des Platzmangels könnte das Camp „defacto zu einer Corona-Brutstätte“ werden, so Leyser. Aber auch die Situation auf den anderen griechischen Inseln Samos, Chios, Leros und Kos sei „katastrophal“, es bestehe „dringender Handlungsbedarf“.

Die Lage in allen Hotspots auf den griechischen Inseln sei „unerträglich“ und „menschenunwürdig“, meinte auch Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich. Kritik äußerte sie an den österreichischen Hilfslieferungen: „‘Hilfe vor Ort‘, die im Bauen von neuen Lagern besteht, heißt nur: Ausbau und Verlängerung eines bereits seit langem unhaltbaren Zustands. Österreich sollte dazu keinen Beitrag leisten.“

Bei der Evakuierung und Unterbringung in menschenwürdigen Unterkünften könne und solle Österreich aber sehr wohl einen Beitrag leisten, forderte der Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer. Die österreichischen Behörden hätten „in vielen Fällen“ eine Familienzusammenführung von Geflüchteten, die sich bereits in Österreich aufhalten, und deren Verwandten, die noch auf den griechischen Inseln ausharrten, abgelehnt, kritisierte Schöpfer. Rechtlich wäre es „ohne Weiteres möglich, diese Menschen aufzunehmen“, um so deren Leid zu mindern.

Auch die Caritas wies darauf hin, dass Hilfe vor Ort zwar ein „ wichtiger erster Schritt“ sei, doch alleine nicht ausreiche. Den tausenden Menschen auf den griechischen Inseln müsse „rascher und sicherer Zugang zu Schutz“ gewährt werden, denn dort herrsche „humanitärer Notstand auf europäischem Boden“, sagte Caritas-Präsident Michael Landau. „Menschen müssen als Menschen behandelt werden - und zwar immer „, so Landau.

„Zeigen Sie Herz!“ lautete deshalb der gemeinsame Appell der Caritas, des Roten Kreuz, MSF und der Diakonie an die Regierung. „Österreich muss Teil der Lösung werden und gemeinsam mit anderen Ländern besonders Schutzbedürftige aufnehmen“, denn hier gebe es im Gegensatz zu Griechenland sowohl die Kapazitäten, die Ressourcen als auch die Kompetenzen, die nötig sind, um Kinder, Alte und Kranke aufzunehmen.


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