Reisewarnungen: Thaler nimmt Osttirol in Schutz

Immer öfter dient der Bezirk Lienz als Beispiel für Defizite bei Corona-Verboten. EU-Abgeordnete Barbara Thaler weist auf die niedrigen Infektionszahlen hin.

Die Tiroler EU-Abgeordnete Barbara Thaler (ÖVP).
© Thomas Boehm / TT

Lienz, Innsbruck, Brüssel – Seit Deutschland eine Reisewarnung gegenüber Tirol ausgesprochen hat und Landeshauptmann Günther Platter die Sperrstunde auf 22 Uhr vorverlegte, um Ansteckungen mit Covid-19 vorzubeugen, gehen in Osttirol die Wogen hoch. Wirtschaft und Politik begehren gegen die Gleichbehandlung mit anderen, viel stärker betroffenen Regionen auf. Schließlich gibt es in Osttirol seit Wochen nicht einmal zehn Corona-Infizierte. Dennoch gelten die strengen Vorschriften unterschiedslos für alle.

Auch die Tiroler EU-Abgeordnete Barbara Thaler (VP) nimmt Osttirol in Schutz. Die Europaparlamentarierin fordert bei der Bewertung von Risikogebieten, sich mehr an den europäischen Lebensrealitäten zu orientieren und auch stärker auf die regionalen Gegebenheiten einzugehen: „Es dürfen nicht wegen einzelner Corona-Hotspots ganze Staaten oder Bundesländer als Risikogebiet eingestuft werden. Osttirol weist als flächenmäßig größter Bezirk Österreichs nur 9 aktiv positive Fälle auf. Dennoch ist der Bezirk Lienz genauso von Reisewarnungen betroffen wie die Landeshauptstadt Innsbruck mit 142 aktiv positiven Fällen!“

Thaler hat auch Kontakte zur Wirtschaft im Bezirk Lienz geknüpft. Ihr Aufbegehren gegen die Reisewarnung für Osttirol haben die drei Unternehmerinnen Barbara „Bobs“ Schusteritsch, Kathrin Jäger und Christina Staffler in einem offenen Brief formuliert. Das Schreiben richtet sich unter anderem an den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, an Barbara Thaler, Vertreterinnen von Bundesministerien, die Tiroler Tourismusabteilung, an die Wirtschaftskammer und an das deutsche Robert-Koch-Institut. 120 Osttiroler Unternehmer haben den offenen Brief bis Redaktionsschluss mitunterzeichnet. „Und es werden stündlich mehr“, berichtete Staffler auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung. In einem Telefonat habe Barbara Thaler der Initiative ihre grundsätzliche Unterstützung zugesagt.

Der Protest gegen Reisewarnungen und vorgezogene Sperrstunden überwindet in Osttirol alle Parteigrenzen. Von der FPÖ über die NEOS bis zur Lienzer Wirtschaftskammer kommt Kritik und die Forderung nach regional angepassten Regelungen. Die junge SPÖ des Bezirks hat eine Petition an den Tiroler Landtag auf den Weg gebracht, in der sie ein Vorgehen nach den Richtlinien der Corona-Ampel fordert. Dieses Ampel-System betrachtet das Risiko in jedem Bezirk einzeln. Genau das fordert die junge SPÖ. (APA, TT, co)

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