Thiem: „Einer der besten Starts in Grand-Slam-Turnier“

Dominic Thiem ohne Satzverlust in der Runde der letzten 32, Jurij Rodionov nach überstandener Qualifikation und erstem Hauptrundensieg bei einem Major angeschlagen ausgeschieden. So lautete die Bilanz aus österreichischer Sicht nach dem vierten Tag der French Open in Paris. Thiem sprach nach dem Sieg über Jack Sock über einen seiner bisher besten Starts in ein Grand-Slam-Turnier, für den erst 21-jährigen Rodionov waren die körperlichen Strapazen noch eine Spur zu viel.

Der Energiehaushalt von Thiem ist freilich noch viel angegriffener als jener des Youngsters. Der körperlich wie mentale sehr anspruchsvolle New-York-Trip samt erstem Major-Titel bei den US Open und nur kurzer Umstellungsphase für Paris fordert Thiem. „Ein bisserl habe ich es heute schon gemerkt im dritten Satz, dass ich nicht auf hundert Prozent war mit der ganzen Intensität, aber das ist okay. Es ist auch normal, das geht einfach nicht, vor allem wenn es so kurze Zeit nach den US Open ist“, berichtete Thiem Mittwochabend in seiner Videopressekonferenz. Gerade deshalb sei es sehr wichtig gewesen, den dritten Satz zu gewinnen. „Weil natürlich je kürzer ich auf dem Platz verbringe, desto besser wird die Regeneration für die nächste Runde sein.“

In der nächsten Runde geht es nun gegen den stark aufstrebenden Norweger Casper Ruud, der Sohn des Ex-Klassemanns Christian Ruud. Ruud junior rang Tommy Paul (USA) in fünf Sätzen nieder. Gegen Ruud hat Thiem auf der Tour noch nie gespielt, allerdings bei seinem eigenen Einladungsturnier Anfang Juli in Kitzbühel. Da hat Thiem 7:5,7:6(4) gewonnen. Der 21-jährige Ruud hat sich im Ranking auf Platz 25 vorgeschoben.

„Es gilt jetzt, alles dafür zu machen, dass ich beim nächsten Match wieder, egal wie lang es dauert, meine volle Intensität bringen kann - dass heißt gut essen, gut behandeln, gut schlafen, morgen gut das Training dosieren, dann wird das schon klappen, hoffe ich“, lautet Thiems Devise.

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Zurückblicken kann er auf zwei starke Matches trotz nur sehr geringer Umstellungsphase. „Es ist sicher einer der besten Starts bis jetzt in ein Grand-Slam-Turnier gewesen, weil Cilic und Sock sind, obwohl sie jetzt vielleicht selbst nicht in der Hochform spielen, einfach zwei Champions“, meinte Thiem. Sie würden als Ex-Top-Ten-Speler vom Anfang bis zum Ende, immer an den Sieg glauben. „Das macht es schwer, gegen die zu spielen. Ich bin echt glücklich, dass ich die zwei Matches in drei Sätzen rübergebogen habe.“

Von der APA angesprochen auf die fast vier Wochen durchgehend hohe mentale Anspannung und ob er sich vor allem vom Kopf her dieses fast unmachbare Double US- und French-Open-Sieg zutraut, blieb Thiem vorsichtig. „Es wird richtig schwer. Das ist ganz klar, aber ich gebe mein Bestes und ich will jetzt auch nicht zu viel drüber nachdenken. Ich versuche mich wirklich auf die nächste Runde zu konzentrieren.“ Er wolle derzeit keine Gedanken verschwenden, wie es nun mit der Energie ausschaut.

Der volle Fokus gilt nun Ruud. „Der spielt mit Abstand seine beste Saison und natürlich fühlt er sich auf Sand am wohlsten und trainiert bei Rafa (Nadal) in der Akademie.“

Für den sechs Jahre jüngeren Rodionov war am Mittwoch Endstation nach seiner bisher erfolgreichsten Reise auf Major-Niveau. Sein Körper spielte nicht mehr mit, berichtete der Niederösterreicher. „Obwohl ich drei Tage Pause gehabt habe, hat sich mein Körper nicht ganz regenerieren können. Meinem Adduktor ging es schon viel besser, aber ich hatte Probleme mit meinem Rücken und mit meinem rechten Schulterblatt, da hat sich ein Nerv verzwickt“, erklärte er auch seine zwei medizinischen Auszeiten gegen Norbert Gombos (SVK), dem er sich letztlich in vier Sets beugen musste. Letztlich sei der Preis eines intensiven Turnierprogramms seit dem Restart auf der Tour nach der Coronapause aber zu hoch gewesen. „Die letzten sechs, sieben Wochen war ich immer auf Turnieren. Das Match gegen Chardy und die Qualifikation davor, das war alles noch in meinem Körper. Leider hat es für heute nicht mehr ganz gereicht.“

Fitnessmäßig sieht er aber keinen Handlungsbedarf, immerhin hat er ja im Fünf-Satz-Marathon gegen Jeremy Chardy - seinem ersten Fivesetter überhaupt - gezeigt, was er draufhat. Darum will er aus Paris seine „Einstellung und das Niveau, das ich hier gespielt habe“ mitnehmen. „Ich versuche, die Konstanz, die ich über die letzten eineinhalb Wochen gehabt habe, mitzunehmen.“

Wenn er Woche für Woche so konstant spielen könne, so der Schützling von Javier Frana unter den Fittichen von Wolfgang Thiem im Trainingszentrum Alt Erlaa, werde es von alleine (nach oben) gehen.

Rodionov hat nun nächste Woche frei, danach sieht er erst, in welche Turniere er reinrutscht. Geplant sind Köln sowie St. Petersburg, wenn nicht spielt er Challenger. Für Wien hofft der Linskhänder auf eine Qualifikations-Wildcard, die ihm nach dem Paris-Auftritt wohl kaum zu nehmen sein wird.

Sein Resümee: „Im Großen und Ganzen ein großer Erfolg für mich. Ich bin richtig froh über die Woche und dass ich mein bestes Tennis zeigen konnte. Ich bin einfach nur stolz auf mich und mein Team.“ Rodionov wird den weiteren Weg Thiems in Paris mit großem Interesse verfolgen. Er lobte den 27-Jährigen über den Klee. „Dominic ist ein Supersportler und, was für mich noch wichtiger ist, er ist ein guter Mensch. Sehr bodenständig und sehr nett, was Besseres kann man sich nicht wünschen: einen so erfolgreichen Sportler zu haben, und dass man jemand hat, auf den man raufschauen kann.“


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