Österreichs Touristiker befürchten Preisschlacht im Winter

Die Österreich Werbung erwartet für den Winter eine Last-Minute-Saison. Den Deutschen war Österreichs Umgang mit Corona im Sommer zu lasch. Und die Stadthotellerie fordert weitere Hilfsmaßnahmen.

Wandern im Schnee abseits der Menschenmassen gehört im kommenden Winter zu den wichtigsten Urlaubsmotiven.
© Thomas Boehm / TT

Wien – Nach den geringen Corona-­Fallzahlen im Sommer hat der Anstieg bei den Infizierten im Herbst zu großer Verunsicherung in den wichtigsten Herkunftsmärkten für den heimischen Tourismus geführt, berichteten gestern Experten der Österreich Werbung bei einer Online-Info-Veranstaltung. Dennoch ist man für die Wintersaison vorsichtig zuversichtlich.

„Die Menschen warten ab, sind aber bereit, ihren Urlaub zu buchen, sobald sich die Situation bessert“, sagte Herwig Kolzer, Region Manager Nord-Westeuropa in der Österreich Werbung. Hoffnungen setzt Österreich – mit mehr als 70 Mio. Nächtigungen Marktführer im Wintertourismus – vor allem in Stammgäste. Umfragen hätten gezeigt, dass die Mehrheit der Gäste in wichtigen Herkunftsmärkten wie den Niederlanden oder Großbritannien am geplanten Winterurlaub festhalten möchte. Potenzial sieht man auch bei jenen, die heuer auf Fernreisen zu Stranddestinationen wegen der Reisebeschränkungen verzichten müssen. Mehrere Millionen Euro wurden deshalb heuer zusätzlich lockergemacht, um in 20 Ländern für Urlaub in Österreich zu werben.

Der Unterschied zu anderen Saisonen sei heuer der Buchungszeitraum, sagt Kolzer: „Wir erwarten einen Last-Minute-Markt mit Buchungen ein bis zwei Tage vor Antritt. Deshalb werden Befürchtungen von Preisschlachten laut.“

Auch im mit 22 Millionen Nächtigungen wichtigsten Herkunftsmarkt Deutschland sei die Stimmung trotz aktueller Reisewarnungen für Tirol, Vorarlberg und Wien positiv, erklärte Carmen Breuss, Regionalmanagerin für die DACH-Region. Beworben wird für den Winter das Verantwortungsbewusstsein Österreichs. Aus dem Sommer habe man gelernt, dass deutsche Gästen den Umgang mit der Pandemie in Österreich als zu lasch empfunden haben. Laut einer aktuellen Umfrage liegt Österreich bei Deutschen im Winter hinter Urlaub in Deutschland an zweiter Stelle. Geplant sind demnach Entspannungs-, Wander- und Wellnessurlaube, aber auch Städtereisen werden wieder beliebter.

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Düster sind dagegen die Aussichten der Stadthotellerie, die österreichweit mit 40.000 Beschäftigten in allen Landeshauptstädten ein wichtiger Arbeitgeber ist. Von „unglaublich vielen Stornierungen“ als Folge der Reisewarnungen berichtet Ines Pietsch, Geschäftsführerin des Austria Classic Hotel Wien. Für Oktober liege die Auslastung des 80-Zimmer-Hotels bei unter 10 Prozent. Sacher-Chef Matthias Winkler geht davon aus, dass sich die Branche, die internationale Gäste braucht, erst in einigen Jahren erholt habe. Auf die Verlängerung des Fixkostenzuschusses pochen deshalb Hotellerie-Obfrau Susanne Kraus-Winkler und Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer. (ecke, ritz)


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