50 Jahre im Tiefkühlschrank: Die Pizza, die jeder kann

Als die Tiefkühlpizza vor 50 Jahren in den Handel kam, freuten sich wohl viele. Vor allem aktuell boomen die Fertigpizzen. In Oberhofen werden täglich 360.000 produziert.

Rund 360.000 Pizzen werden täglich im Werk des Tiefkühlproduzenten PrimAs in Oberhofen produziert.
© Primas

Von Manuel Lutz

Oberhofen – Ob für Studenten, gestresste Arbeiter oder Kochanfänger: Seit Jahrzehnten ist die Tiefkühlpizza für die verschiedensten Generationen ein wichtiges Überlebenselixier. Was vor 50 Jahren mit der Pizza alla Romana (siehe Box) als erste Tiefkühlpizza in Deutschland anfing, ist heute in fast allen Facetten erhältlich, um jedem Konsumentenwunsch zu entsprechen. Häufig kommt der italienische Klassiker fürs Backrohr aus Tirol. „Es sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt auch Koscher- und Halalpizzen sowie Wellness-, High-Protein- (Anm. proteinreich) oder glutenfreie Pizzen“, betont Markus Kessel, Geschäftsführer des Tiefkühlproduzenten PrimAs in Oberhofen.

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Im Oberland werden bereits seit 1976 Tiefkühlpizzen produziert, seit 2000 gehört es zur Unternehmensgruppe Freiberger. „Der Durchbruch der Tiefkühlpizza war auf neue Gefriertechnologien und die Verfügbarkeit von Tiefkühltruhen zurückzuführen“, weiß Kessel.

Anfangs wurden in Oberhofen täglich 30.000 Pizzen produziert, heute sind es rund 360.000 Pizzen. Der Großteil funktioniert klarerweise maschinell. „Die Teigballen werden direkt bei uns hergestellt und geformt. Die Bäckerei ist das Spezifikum jedes Werkes“, erklärt Kessel. Denn eine gute Pizza hängt für den Experten vor allem vom Pizzaboden ab: „Bei einer Pizza ist der Pizzaboden das Qualitätsmerkmal Nummer eins.“

Der Pizzaboden wird in Oberhofen in großen Steinöfen vorgebacken. Nachdem er abgekühlt ist, wird er mannigfaltig belegt und kommt für ca. 30 Minuten bei minus 35 Grad in einen Spiralfroster. „Dann wird das Produkt noch bei minus 18 Grad verpackt und kommt ins Lager“, erklärt Kessel den Ablauf. Für ihn ist die Steinofenpizza auf Stein gebacken die beste aller Pizzen. Ob sie von guter Qualität ist, erkennt man sogleich: „Der Pizzaboden sollte knusprig sein. In der Mitte ist er dünn und am Rand sollten sich leichte Blasen bilden. Die Blasenbildung ist ein Indiz, dass der Teig eine längere Reife hinter sich und Aroma entwickelt hat. Der Rand sollte zudem goldbraun gebacken sein.“

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Die Tiefkühlpizza wird 50 Jahre alt

Anfang: Mit der Sorte „Pizza alla Romana“ für damals etwa 3 D-Mark (ca. 1,5 Euro) brachte der Lebensmittelhersteller Dr. Oetker 1970 die erste Tiefkühlpizza in den deutschen Handel. Belegt war sie „mit echt italienischem Mozzarella- und Provolone-Käse, Mortadella, Tomaten und Paprika“.

Trend: Jeder Deutsche isst im Jahr laut Branchenverband Tiefkühlinstitut umgerechnet 13 Tiefkühlpizzen. Vor zehn Jahren waren es erst zehn, vor 20 Jahren fünf und vor 30 Jahren drei.

Flop: Nicht alles rund ums Thema Pizza ist ein Erfolg. Dr. Oetker nahm seine Schokoladen-Tiefkühlpizza („Pizza Dolce al Cioccolato“) 2019 nach etwa zwei Jahren wegen geringer Nachfrage wieder vom Markt.

Zukunft? Bislang ist Pinsa noch recht unbekannt. Gastronomen sind sich aber sicher, dass der Mehlmixfladen mit langer Gehzeit der nächste Foodtrend wird. Die Pizza-Neuinterpretation ist außen knusprig und innen fluffig.

Die Tiefkühlpizza ist ein Gewinner der Corona-Krise.
© iStockphoto

Die Nachfrage nach den Fertigpizzen steigt seit Jahren. „Der Markt ist immer gewachsen. In Deutschland werden pro Person im Schnitt 13 Tiefkühlpizzen pro Jahr verspeist, ca. 60 Prozent der Menschen konsumieren regelmäßig Tiefkühlpizzen. Die Zahlen in Österreich sind ähnlich.“

Vor allem im heurigen Corona-Jahr boomte das Geschäft, die Tiefkühlindustrie erwartet ein neues Rekordjahr. In der ersten Jahreshälfte 2020 hat die Warengruppe Tiefkühlpizza in Deutschland den Umsatz um sieben Prozent gesteigert.

Damit es keine Engpässe gibt, wird in Oberhofen und den anderen 14 Standorten der Unternehmensgruppe weltweit mit Hochdruck gearbeitet: Gesamt werden so 3,4 Millionen Pizzen pro Tag hergestellt. Vertrieben werden die Produkte als Eigenmarken der Lebensmittelhändler.

Aktuell boomt etwa die „#Teamcapi“-Pizza, wie Kessel erklärt: „Mit dem Rapper Capital Bra wurde dieses Projekt umgesetzt. Da in der Rapper-Szene auch Hanf ein Thema ist, gehört zu den Zutaten u. a. Hanföl. Zudem ist eine dieser Team-Capi-Pizzasorten mit Rindersalami belegt.“ Damit ist die Pizza – mit Ausnahme von Vegetariern – für jedermann gemacht. Die Pizza hat trotz Hanföl natürlich keine berauschende Wirkung. Der Preis ist mit vier Euro zwar hoch, das Marketing hat jedoch funktioniert. Denn auch bei den Tiefkühlpizzen ziehen so genannte Lifestyleartikel. „Das Produkt hat bei der Konsumentengruppe zwischen 15 und 25 Jahren eingeschlagen.“

In England ist hingegen die Steinofenpizza mit gefülltem Rand (Stuffed crust) hoch im Kurs. „Dieses Spezialprodukt für den englischen Markt fertigen wir in Tirol. Im Rand ist z. B. eine Käsestange oder ein Würstel“, erklärt Kessel. Hierzulande verkaufen sich die Klassiker am besten: Salami, Margherita, Schinken, Thunfisch oder Spinat.


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