Coronavirus-infizierter US-Präsident Trump ins Krankenhaus

US-Präsident Donald Trump begibt sich nach seiner Ansteckung mit dem Coronavirus ins Krankenhaus. Trump werde in den „kommenden Tagen“ aus dem nahe der Hauptstadt Washington gelegenen Militärkrankenhaus Walter Reed arbeiten, erklärte seine Sprecherin Kayleigh McEnany am Freitag. Zuvor hatte McEnany mitgeteilt, dass Trump nach Angaben seines Arztes Sean Conley nach seinem positiven Corona-Test mit Antikörpern behandelt wurde.

Demnach habe Trump eine einmalige Dosis einer Antikörper-Kombination von Regeneron Pharmaceuticals erhalten. Der Präsident sei insgesamt müde, aber guter Dinge, heißt es in einer Bewertung von Conley, die Trumps Pressesprecherin McEnany über Twitter verbreitete.

Nähere Angaben machte der Arzt nicht zu Trumps Symptomen. Zu First Lady Melania dagegen hieß es, ihr gehe es weiterhin gut und sie habe lediglich einen leichten Husten und Kopfschmerzen.

Trump sei von einem Expertenteam untersucht worden, mit denen auch das weitere Prozedere abgestimmt werde, erklärte Conley. Trump bekommt demnach derzeit Zink, Vitamin D, das Magenmittel Famotidin, das Schlafhormon Melatonin und Aspirin verabreicht. Mit seinen 74 Jahren gehört Trump zu einer Corona-Risikogruppe.

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Sollte Präsident Trump seine Amtsgeschäfte nicht ausüben können, müsste Vizepräsident Mike Pence einspringen. Pence ließ einen Test machen, der negativ ausfiel. Der Vizepräsident werde seit Monaten täglich auf das Coronavirus getestet, schrieb sein Sprecher Devin O‘Malley auf Twitter.

Ein Coronavirus-Test beim demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden am Freitag war unterdessen ebenfalls negativ. Das teilte sein Arzt Kevin O‘Connor mit. Das sei auch bei seiner Ehefrau Jill Biden der Fall. Biden und Trump standen am vergangenen Dienstag in ihrer ersten TV-Debatte auf einer Bühne.

Biden teilte auf Twitter mit, er und seine Ehefrau Jill Biden wünschten Donald und Melania Trump „eine rasche Genesung“. „Wir werden weiterhin für die Gesundheit und Sicherheit des Präsidenten und seiner Familie beten.“ Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Die Demokratin Nancy Pelosi, sagte dem Sender CNN ebenfalls, sie bete für den Präsidenten und die First Lady. „Und hoffentlich wird das eine Botschaft an den Rest des Landes sein, dass Sie Ihre Maske tragen müssen.“ Pelosi steht in der Rangfolge an dritter Stelle nach dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten.

Nach Angaben des Weißen Hauses wurden Trumps Tochter und Beraterin Ivanka Trump, ihr Ehemann Jared Kushner - auch er ein Berater des Präsidenten - sowie Trumps Sohn Barron negativ auf das Virus getestet. US-Außenminister Mike Pompeo sagte auf einem Flug nach Kroatien, sein Test am Freitag sei negativ ausgefallen. Die Vorsitzende des Parteivorstands der Republikaner, Ronna McDaniel, wurde nach Angaben der Partei dagegen positiv getestet.

Der republikanische Senator Mike Lee teilte dagegen per Tweet mit, er sei am Donnerstag positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Der Chef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, forderte ein Coronatest-Programm für alle Abgeordneten und Mitarbeiter im Kapitol. Die Ergebnisse müssten öffentlich gemacht werden, verlangte Schumer.

Trump ist nicht der erste Spitzenpolitiker, der sich weltweit infiziert hat. Unter anderen hatte sich der kanadische Premier Justin Trudeau und Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro angesteckt. Der britische Premier Boris Johnson bildete Symptome aus und musste zeitweise auf der Intensivstation behandelt werden. Trump hatte sich damals bestürzt über die Nachrichten aus London gezeigt.

Dem US-Präsidenten wird in der Corona-Pandemie immer wieder vorgeworfen, die Gefahr durch das Virus nicht ernstzunehmen. Er trägt in der Öffentlichkeit meistens keine Maske und hat sich mehrfach abfällig über das Masken-Tragen geäußert. Herausforderer Biden verspottete er am Dienstag noch dafür. Trump ist im Wahlkampf noch stärker unter Druck geraten, weil er in Interviews des Investigativreporters Bob Woodward eingeräumt hatte, die Gefahr durch das Virus heruntergespielt zu haben. Der Präsident führte zu seiner Verteidigung an, er habe keine Panik in der Bevölkerung auslösen wollen.

In den USA gibt es bisher 7,2 Millionen Corona-Fälle, mehr als 207 000 Menschen sind nach einer Infektion gestorben. Trump machte für die hohe Fallzahl wiederholt die vielen Tests verantwortlich, die die USA mittlerweile ausführen. Am Montag hatte Trump noch bekanntgegeben, dass die US-Regierung die Corona-Testkapazität mit Schnelltests weiter deutlich ausbaue.

Aus aller Welt kamen Genesungswünsche, unter anderen von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel, Russlands Präsident Wladimir Putin, von den Premierministern Israels und Großbritanniens, Benjamin Netanjahu und Boris Johnson, sowie von EU-Ratspräsident Charles Michel. Der afghanische Präsident Ashraf Ghani zeigte sich besorgt und übermittelte ebenfalls Genesungswünsche.

Auch der am Coronavirus erkrankte und inzwischen genesene viermalige italienische Premier Silvio Berlusconi wünschte Trump eine baldige Genesung. „Ich kenne aus eigener Erfahrung diese Krankheit, die zwar heimtückisch ist, die jedoch mit dem richtigen und mutigen Verhalten überwunden werden kann“, schrieb an Trump und seine Frau Melania.

Am Tag seines 84. Geburtstag am Dienstag wurde der vor einem Monat an Corona erkrankte Berlusconi negativ auf das Covid-19-Virus getestet. Berlusconi war vor gut zwei Wochen aus dem Krankenhaus entlassen worden, nachdem sich sein Gesundheitszustand verbessert hatte. Berlusconi hatte kürzlich seine Erkrankung an Covid-19 als „schlimmste Erfahrung meines Lebens“ bezeichnet.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erklärte: „Wir wünschen natürlich ihm (Trump) und seiner Frau, genauso wie allen anderen Menschen, die sich angesteckt haben, eine möglichst gute Genesung“. Kurz fügte vor Journalisten in Brüssel hinzu: „Es zeigt sich, dass die Pandemie das ist, was wir immer gesagt haben, nämlich eine weltweite Herausforderung, nicht nur in Österreich, nicht nur in Europa, sondern in allen Teilen der Welt, und dass jeder gefährdet ist, sich zu infizieren.“

Die USA befinden sich auf der Zielgeraden zur Wahl am 3. November, bei der sich Trump um eine zweite Amtszeit bewirbt. Die Corona-Pandemie, die in den USA keineswegs unter Kontrolle ist, hatte den Wahlkampf ohnehin auf den Kopf gestellt. In landesweiten Umfragen liegt der Demokrat Biden beständig vorn, allerdings haben diese wegen des komplizierten Wahlsystems nur eine begrenzte Aussagekraft.

Ungeachtet der Pandemie hatte Trump in den vergangenen Wochen Wahlkampfauftritte teils vor Tausenden Anhängern absolviert. In den kommenden Tagen waren in Florida, Wisconsin und Arizona weitere Events geplant.

Am Donnerstagabend war zunächst bekannt geworden, dass Trumps enge Beraterin Hope Hicks positiv auf das Virus getestet wurde. Trump selbst bestätigte die Infektion seiner Mitarbeiterin in einem Interview beim Sender Fox News und sagte, er habe sich testen lassen.

Hicks war in den vergangenen Tagen an der Seite des Präsidenten gereist: Am Dienstag zur TV-Debatte zwischen Trump und Biden nach Cleveland, am Mittwoch zu einem Wahlkampfauftritt im US-Bundesstaat Minnesota. Trump suggerierte, dass sie sich bei Angehörigen des Militärs oder Polizeibeamten angesteckt haben könnte. „Man kommt sich nahe und Dinge passieren“, sagte Trump. Allerdings ist völlig unklar, ob Hicks Trump angesteckt hat oder umgekehrt.

Auf Fotos von Mittwoch war Hicks auf dem Militärflugplatz Joint Base Andrews außerhalb des Präsidenten-Helikopters Marine One in unmittelbarer Nähe von Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner zu sehen. Beide trugen keinen Mund-Nasen-Schutz. US-Medien zufolge könnte Hicks‘ Infektion bereits am Donnerstag früh bekannt gewesen sein. Trump war an dem Tag noch nach New Jersey gereist.


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