Wenn für Bildstein/Hussl EM-Silber am Ende doch noch golden glänzt

Mit Gold vor Augen kenterte das 49er-Duo Benjamin Bildstein/David Hussl in der finalen Wettfahrt der Segel-Europameisterschaft am Attersee.

Nur kurz war der Ärger über den verpassten Titel. Dann ließen sich Bildstein (links) und Hussl EM-Silber „schmecken“.
© EDELSBACHER TASSILO

Von Max Ischia

Attersee – Es war zehn, vielleicht halb elf am Abend, als sich David Hussl mit der EM-Silbernen um den Hals als einer der Ersten verabschiedete – von seiner eigenen Medaillenparty. „Als die Spannung nachgelassen hat, habe ich gemerkt, dass ich definitiv noch nicht fit bin“, sagte der Tiroler Vorschoter und fühlte sich streichfähig. Sein Akku war zu diesem Zeitpunkt längst auf Notstrom gelaufen. Stunden zuvor war er an der Seite seines Vorarlberger Steuermannes Benjamin Bildstein am Attersee in der olympischen Bootsklasse 49er zu EM-Silber gesegelt. Und das nach einer Woche, die nichts anderes als ein unentwegter Ritt auf der Hochschaubahn war. Aber der Reihe nach.

Erst einmal war David Hussl ganz unten. Nach vielversprechenden Trainingsfahrten hatte den Terfener ein Darminfekt in den Schwitzkasten genommen. So sehr, dass in den ersten drei der insgesamt zwölf Wettfahrten sein kroatischer Trainer Ivan Bulaj die Vorschoter-Rolle ausfüllte, ehe dann doch Hussl mit flauem Magen, reichlich Adrenalin und der täglichen Ration Antibiotika aufs Boot kletterte – und Wettfahrt für Wettfahrt Boden gutmachte. So sehr, dass das Duo vom Yacht Club Bregenz im letzten, alles entscheidenden Rennen nur noch mit den Deutschen Tim Fischer/Fabian Graf um den Titel ritterte. Und die Ausgangslage war klar: Die Österreicher mussten ein paar Boote zwischen sich und das Hamburger Duo bringen. „Es hat auch gut ausgeschaut, bis der Gennacker der vor uns fahrenden Iren plötzlich ins Wasser gefallen ist. Sie sind sofort stehengeblieben. Wir konnten nicht mehr rechtzeitig ausweichen und sind gekentert.“

Die erste Enttäuschung über den letztlich so knapp verpassten EM-Titel war rasch der Genugtuung über die erste EM-Medaille der Karriere gewichen. „Unter diesen schwierigen Voraussetzungen ist diese Medaille sehr, sehr viel wert“, sagte Steuermann Bildstein. Und Hussl sah die Sache genauso – und war bei der abendlichen Party in bester Laune. Bis die Kräfte nachließen – weit früher, als es der 28-Jährige gewöhnt ist.

Steuermann Benjamin Bildstein (rechts) und Vorschoter David Hussl waren nach vielen Aufs und Abs letztlich „sehr, sehr zufrieden“.
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