Nikosia begrüßt Abzug eines türkischen Bohrschiffes

Das türkische Bohrschiff „Yavuz“ hat erstmals seit mehreren Monaten seine Position im Südwesten der Republik Zypern verlassen und ist in türkische Gewässer zurückgekehrt. „Es ist eine erfreuliche Entwicklung“, erklärte der zypriotische Regierungssprecher Kyriakos Koushos im Staatsrundfunk (RIK) Montagfrüh. Dies könnte zur Entspannung führen. Dennoch handle es sich nur um einen ersten Schritt zur Deeskalation.

Ein anderes türkisches Schiff, die „Barbaros“, bleibe weiterhin im Südosten der Insel und führe seismische Forschungen durch, erinnerte der zypriotische Regierungssprecher. Die Besatzung des abgezogenen Bohrschiffes „Yavuz“ suchte seit Monaten ohne Genehmigung der Regierung in Nikosia nach Erdgas. Die EU hat dies wiederholt scharf kritisiert.

Ankara und Nikosia streiten sich seit Jahren um eine Ausschließliche Wirtschaftszone rund um die drittgrößte Mittelmeerinsel. Die Türkei erkennt den EU-Staat Zypern nicht an und lehnt die Suche nach Erdgas durch die zypriotische Regierung ab, solange die türkischen Zyprioten, die überwiegend in der international nur von Ankara anerkannten Türkischen Republik Nordzypern leben, nicht zustimmen und die Zypern-Frage nicht gelöst ist. Die Regierung in Nikosia hat bereits erste Bohrungen durchführen lassen und erste Erdgasfelder südlich der Insel entdeckt. Weitere Erkundungen sollen 2021 beginnen.

Im östlichen Mittelmeer war in den vergangenen Monaten der Streit zwischen der Türkei und Zypern sowie zwischen der Türkei und Griechenland wegen der Erdgasvorkommen eskaliert. Inzwischen haben sich Athen und Ankara nach einer Vermittlung Berlins geeinigt, Sondierungsgespräche zur Überwindung dieses Problems aufzunehmen.

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