88 Prozent weniger Fälle: „Impfung schützt vor Gebärmutterhalskrebs“

Eine Registerstudie aus Schweden beweist: Frauen, die sich vor dem 17. Lebensjahr gegen HPV impfen lassen, erkranken kaum an Gebärmutterhalskrebs. Arzt staunt über Ergebnis.

Eine Impfung, die wirklich vor Krebs schützt, in diesem Fall die HPV-Impfung vor Gebärmutterhalskrebs, ist für die Fachwelt eine Sensation.
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Von Susann Frank

Innsbruck – Dieses eindeutige Ergebnis verblüffte sogar Christian Marth: „Das ist auch einzigartig“, erklärte der Direktor für Frauenheilkunde an der Universitätsklinik in Innsbruck beim Blick auf die Auswertung der Registerstudie aus Schweden. Diese besagt, dass 88 Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen vermieden werden, wenn sich Frauen vor dem 17. Lebensjahr gegen die auslösenden Humanen Papillomaviren (HPV) impfen lassen.

„Es gibt keine andere Impfung, die so wirksam vor Krebs schützen kann“, freut sich Marth über das Ergebnis, welches am 1. Oktober veröffentlicht wurde. Durch diese Studie müssten laut Marth auch Impfgegner verstummen. „Bisher haben Impfgegner die Tatsache hervorgehoben, dass durch die HPV-Impfung nur weniger Krebsvorstufen auftauchen würden, also die Gewebsveränderungen am Gebärmutterhals. Bis dato endeten auch alle Studien in diesem Stadium“, erklärt Marth. Die langjährige Registerstudie in Schweden ging jedoch über die Krebsvorstufen hinaus.

Neuer Impfstoff noch besser

Die Ergebnisse lieferten 1,672.983 Mädchen und Frauen über einen Beobachtungszeitraum von 2006 bis 2017. „In Skandinavien werden die geimpften Personen registriert, dadurch lassen sich exzellent Daten sammeln“, erläutert Universitätsprofessor Marth, wie die Ärzte in Schweden zu diesem Fazit kommen konnten, welches sie im New England Journal of Medicine veröffentlichten.

„88 Prozent, das kann schon als dramatischer Rückgang bezeichnet werden. Es gibt keine andere Impfung, die so wirksam vor Krebs schützen kann.“ – Christian Marth
(Gynäkologe)
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Sie berichteten, dass bei Frauen, die sich im Alter von zehn bis 30 Jahren impfen ließen, 49 Prozent weniger Krebsfälle aufgetreten sind. 53 Prozent weniger waren es bei Frauen, die sich im Alter von 17 bis 30 Jahren impfen ließen, und eben 88 Prozent weniger Krebsfälle wurden verzeichnet, wenn sich die Frauen vor dem 17. Lebensjahr impfen ließen. „Das kann schon als dramatischer Rückgang bezeichnet werden“, betont Gynäkologe Christian Marth.

Er vergisst auch nicht darauf hinzuweisen, dass die Registerstudie noch dazu mit dem veralteten Vierfach-Impfstoff abgeschlossen wurde. Marth: „Mittlerweile kommt ein Impfstoff zum Einsatz, der gegen neun HPV-Typen wirksam ist. Das heißt, die Ergebnisse würden jetzt wohl noch besser ausfallen.“

„Keine relevanten Nebenwirkungen“

In Tirol werden laut seinen Schätzungen bisher zwischen 50 bis 60 Prozent der Kinder in der ersten Klasse Unterstufe gegen HPV geimpft. Nicht nur die Mädchen, sondern auch die Burschen. „Wegen der Herdenimmunität und weil Geschlechtsverkehr natürlich eine der Hauptübertragungen von HP-Viren ist“, hebt er die Dringlichkeit hervor, alle Kinder impfen zu lassen.

Zudem seien die Viren nicht nur Auslöser für Gebärmutterhalskrebs, sondern können auch Kehlkopf- und Enddarmkrebs verursachen. Schauspieler Michael Douglas ist ein berühmtes Beispiel dafür – er ist dadurch an Kehlkopfkrebs erkrankt. Seine Kollegin Farrah Fawcett verlor 2009 den Kampf gegen Enddarmkrebs, den HPV verursachte.

„Die Studie hat eindeutig gezeigt, wie wichtig es ist, sich impfen zu lassen, und dass das Alter eine Rolle spielt“, betont Marth zum Schluss des Gesprächs noch einmal mit Nachdruck. Die kostenlose Impfung besteht aus zwei Spritzen im Abstand von sechs Monaten und sie hat laut Marth „keine relevanten Nebenwirkungen“.

In Österreich werden die Geimpften jedoch nicht registriert. Das ist nur in Skandinavien erlaubt. Die Ergebnisse, die unter strengen Datenschutzauflagen erbracht werden, teilen die Ärzte dieser Länder jedoch mit den Menschen weltweit. Und sie erstaunen derzeit nicht nur Christian Marth.


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