„Haus der Geschichte“ stellt 100 Jahre Wahlgeschichte online

Das „Haus der Geschichte Österreich“ hat gemeinsam mit dem SORA-Institut einen Überblick über 100 Jahre Wahlen in Österreich online gestellt. Abgebildet werden dabei alle Nationalratswahlen seit 1919 inklusive Wählerströmen. Außerdem gibt es eine Sonderauswertung zum Wahlverhalten in Wien, das sich gerade in der Erste Republik stark vom Rest Österreichs unterschieden hat.

sind sie nun auch öffentlich abrufbar.

Wien ist laut Günther Ogris vom SORA-Institut auch deshalb interessant, weil die Wahlergebnisse des Bundeslands stark durch Zuwanderung aus den anderen Bundesländern geprägt werden. „Die Grünen speisen sich aus der Zuwanderung von Menschen aus dem ländlichen Raum, die in Wien in eine höhere Ausbildung gehen“, sagte Ogris am Montag vor Journalisten. Umgekehrt stabilisiere die Abwanderung gut verdienender Wiener nach Niederösterreich die dortige Mehrheit der ÖVP und trage zu deren Schwäche in der Hauptstadt bei. Insofern gebe es in Wien auch innerhalb der einheimischen Bevölkerung eine „multikulturelle Gesellschaft“, so Ogris. Zusätzlich führe die Zuwanderung aus dem Ausland zum Anstieg der nicht wahlberechtigten Bevölkerung: „70 Prozent des Reinigungspersonals haben kein Wahlrecht.“

Aufschlussreich sind aber auch die historischen Darstellungen - etwa die Wählerstromanalyse der Nationalratswahl 1949. Damals trat der „Wahlverband der Unabhängigen“ erstmals an, ein Sammelbecken früherer Nationalsozialisten und die Vorgängerpartei der FPÖ. Der Verband erhielt tatsächlich fast die Hälfte seiner Stimmen (229.000) von Wählern, die 1945 noch keine Wahlrecht hatten - darunter auch eine halbe Million Ex-Nazis. ÖVP und SPÖ konnten bei dieser Wählergruppe aber noch stärker punkten. Jeweils fast 300.000 Nicht-Wahlberechtigte des Jahres 1945 machten vier Jahre später ihr Kreuz bei ÖVP und SPÖ.

Zu beachten ist freilich, dass 1945 neben den Ex-Nazis auch hunderttausende Personen deshalb nicht wahlberechtigt waren, weil sie noch die deutsche Staatsbürgerschaft hatten oder weil sie zu Kriegsende als Flüchtlinge im Land waren.

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