Hochwasser-Schutz: Riss in der Verbandsmauer rund um Wörgl

Wörgls Bürgermeisterin Hedi Wechner stellt ein Ultimatum: „Wenn 2021 im Wasserverband nichts weitergeht, bauen wir selber eine Hochwasserschutzmauer.“

2014 wurden den Wörglern die Auswirkungen eines Hochwassers dargelegt – das gesamte Gewerbegebiet ist dunkelrot. Schutzbauten gibt es aber noch immer keine.
© Otter

Von Wolfgang Otter

Wörgl – Bürgermeisterin Hedi Wechner reißt langsam, aber sicher der Geduldsfaden. Geduld ist auch tatsächlich gefordert, wenn es um das Thema Inn-Hochwasserschutz geht. Während im Mittleren Unterinntal zumindest der Gemeindeverband gegründet werden konnte, tritt man im Unteren Unterinntal bei dieser Frage weiter auf der Stelle.

Wie berichtet, bekämpft die Gemeinde Radfeld eine Zwangsverpflichtung zur Verbandsehe mit weiteren sieben Gemeinden und Infrastrukturträgern wie Land, Asfinag und ÖBB. Radfeld bekämpft den Plan für die Schutzmaßnahmen, für die die Gemeinde an die 140 Hektar Retentionsfläche hergeben muss. Die juristische Auseinandersetzung kann noch Jahre dauern.

Ultimatum gesetzt

So lange will Wörgls Bürgermeisterin Wechner aber nicht mehr warten. Sie stellt jetzt ein Ultimatum: Sollte sich 2021 nichts bewegen, wird Wörgl einen Alleingang unternehmen – soll heißen, die Stadt baut selber einen Schutzdamm. Das rechtliche Risiko dafür möcht­e Wechne­r notfalls auch auf sich nehmen. Dass diese Ankündigung bzw. das Ultimatum nicht nur leeres Gerede ist, zeigt der Umstand, dass Wörgl bereits seit 2012 ein Projekt für den Hochwasserschutz in der Schublade hat und dieses auch einreichte. Die Behörde hat den Plan aber zurückgewiesen. Das Hauptproblem sind dabei die fehlenden Retentionsflächen, auf denen Hochwasser geparkt werden kann.

Wobei sich Wörgl bereits ausreichend mit mobilen Wänden schützen kann. Denn im Falle von Gefahr im Verzug darf ein mobiler Damm auch ohne Retentionsfläche aufgestellt werden. Nur für eine dauerhafte Schutzvorrichtung braucht es Flächen, um das Hochwasser zwischenzuparken. Die haben einen entscheidenden Vorteil: Nur so können Grundstücke aus der Hochwasser-Gefahrenzone genommen werden. Was in Wörgl durch das „rot leuch­tende“ Gewerbegebiet, aber auch Wohngebiet von besonderer Brisanz ist.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Münsterer Bürgermeister relativiert

Für dieses Gewerbegebiet gab es auch Kritik während einer Gemeinderatsdebatte in Münster über den Beitritt zum Wasserverband Mittleres Unterinntal. Bürgermeister Werner Entner hatte den Wörglern vorgeworfen, in die rote Zone hineingebaut zu haben und nun zu jammern, dass man für den Hochwasserschutz viel bezahlen muss.

Das hat der Münsterer Gemeindechef jetzt – nach Gesprächen mit der Stadtführung – bei einem Treffen mit BM Wechner etwas relativiert. Die Wörgler Stadtchefin hatte sich verbeten, „dass mir jemand von außen sagt, was die Stadt mit dem Geld zu tun hat“. Und klargestellt, dass „das Wörgler Gewerbegebiet mit Genehmigung des Landes entstanden ist“. Laut Entner ist es „eine spontane Antwort auf das leidige Thema gewesen. Münster muss für andere das Wasser parken, wo Gebiete von Schwaz bis Wörgl mit Genehmigung der überörtlichen Raumordnung verbaut wurden. Gebiete, die jetzt für Retentionsräume fehlen. Es war kein Angriff gegen Wörgl, es ist nicht meine Art, mich einzumischen“, sagte Entne­r. Es ginge auch darum aufzuzeigen, dass „wer einen hohen Prozentsatz zahlt, einen hohen Schutz bekommt und mit den Einnahmen aus diesen Gewerbegebieten die Maßnahmen finanzierbar sein müssen“.


Kommentieren


Schlagworte