Medizin-Nobelpreis für Entdeckung des Hepatitis-C-Virus

Der Medizin-Nobelpreis des Jahres 2020 geht an die US-Amerikaner Harvey J. Alter und Charles M. Rice sowie den Briten Michael Houghton. Die drei Forscher werden für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus geehrt. Das gab das Nobelpreiskomitee am Montag in Stockholm bekannt. Mit der Bekanntgabe eröffnete das Komitee die diesjährige Nobelpreis-Woche.

Mit ihren Entdeckungen, die zur Identifikation des Hepatitis-C-Virus geführt haben, hätten Alter, Rice und Houghton vermutlich „Millionen Leben gerettet“, erklärte Gunilla Karlsson Hedestam vom Karolinska Institutet in Stockholm. In Summe machten die drei Forscher „wegweisende Entdeckungen, die zum Nachweis eines neuen Virus führten - Hepatitis-C“, heißt es in der Begründung des Nobelpreis-Komitees am Montag.

Nachdem Ende der 1960er-Jahre Baruch Blumberg das Hepatitis-B-Virus entdeckt hatte - eine Leistung für die er 1976 den Medizin-Nobelpreis erhielt -, konnte allerdings weiter lediglich ein Teil der über das Blut weitergegebenen schweren und chronischen Lebererkrankungen nicht erklärt werden, heißt es. Erst die Erkenntnisse, an denen die drei heuer ausgezeichneten Wissenschafter maßgeblich beteiligt waren, konnten aufklären, woher die Erkrankungen rührten, „ermöglichten Tests und neue Medikamente, die Millionen Leben retteten“. Davor grassierte die Erkrankung, mit der auch heute laut der WHO noch über 70 Millionen Menschen zu kämpfen haben, ungehindert. Pro Jahr gibt es geschätzte 400.000 Hepatitis-C-Tote.

Der 1935 in New York geborene Harvey J. Alter begann an den National Institutes of Health (NIH) das Auftreten der mysteriösen Krankheit bei Menschen zu studieren, die zuvor Bluttransfusionen erhalten hatten. An der dortigen Abteilung für Transfusionsmedizin zeigte er, dass viele der Infektionen nicht von den bisher bekannten Viren ausgelöst wurden. Gleichzeitig war klar, dass durch Blutgaben zu dieser Zeit viele Menschen mit den Erreger infiziert wurden, der in der Folge zu der nicht heilbaren Erkrankung führte, die schlussendlich Leberzirrhose oder -krebs auslösen kann. Alter konnte in den späten 1970er-Jahren zeigen, dass der vermutliche Virus-Erreger durch die Verabreichung von Blut auf Schimpansen übertragen wird. Seine Erkenntnisse führten zu der Bezeichnung „Non-A, non-b“-Hepatitis.

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Über ein Jahrzehnt entzog sich das Virus jedoch dem wissenschaftlichen Zugriff. Dann kam Michael Houghton ins Spiel: Er stammt aus Großbritannien, wo er am King‘s College in London auch seinen Doktor machte. Ende der 1980er-Jahre steuerte er seine bahnbrechenden Arbeiten im Dienste des US-Pharmaunternehmens Chiron bei. In Kleinarbeit und unter Einsatz von damals neuen molekulargenetischen und immunologischen Methoden suchte er nach Erbgut-Spuren des unidentifizierten Virus in Proben von Schimpansen und Menschen. Schlussendlich fanden der seit 2010 ist er an der Universität Alberta in Kanada als Virologe tätige Wissenschafter und Kollegen die RNA eines neuen Virus aus der Flaviviren-Gruppe, das fortan Hepatitis-C genannt wurde.

Den Nachweis, dass ein Klon des gefundenen Virus auch die so oft beobachteten Erkrankungen auslöste und wie sich der Erreger vermehrt, lieferte dann der 1952 in Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien geborene dritte Preisträger, Charles M. Rice. Er baute an der Washington University School of Medicine in St. Louis eine Forschergruppe auf und wurde dort 1995 Professor. Seit 2001 arbeitet er an der Rockefeller Universität in New York, wo er bis 2018 Leiter des Zentrums für Hepatitis-C-Forschung war. Aufgrund seiner Arbeit wurdem die bis dahin nicht eindeutig erklärbaren Infektionen eindeutig dem neuen Virus zugeordnet.

So konnte die Übertragung über Blutpräparate zuerst durch ausreichend genaue Tests eingedämmt werden. Die Entdeckungen führten in der Folge auch zur raschen Entwicklung von Medikamenten gegen das Hepatitis-C-Virus, heißt es. Für Karlsson Hedestam haben Alter, Rice und Houghton „das Fundament geliefert, um den Kampf gegen das Virus zu beginnen“. Sie hätten der Welt die Hoffnung beschert, die Krankheit zu kontrollieren und möglicherweise auch zu eliminieren.

Zwei der neuen Medizin-Nobelpreisträger mussten von der Nobelversammlung erst wachgeklingelt werden. „Als ich sie einmal erreicht habe, waren sie extrem überrascht und wirklich glücklich und fast sprachlos“, sagte Thomas Perlmann von der Nobelversammlung während der Preis-Bekanntgabe über den Moment, als er die beiden Amerikaner Harvey J. Alter und Charles M. Rice telefonisch erreichte und ihnen von ihrer Auszeichnung berichtete. Es habe großen Spaß gemacht, mit ihnen zu sprechen.

Das Preisgeld wurde heuer erhöht: Pro Kategorie gibt es zehn Millionen schwedische Kronen (rund 950.000 Euro) und damit eine Million Kronen mehr als zuletzt. Übergeben werden die Preise alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Im Vorjahr war der Medizin-Nobelpreis an die beiden US-Forscher William Kaelin und Gregg Semenza sowie ihren britischen Kollegen Peter Ratcliffe gegangen. Sie wurden für die Entdeckung molekularer Mechanismen der Sauerstoffaufnahme von Zellen ausgezeichnet.


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