„musikprotokoll 2020“ auf den Spuren von „Hidden sounds“

Auch für das musikprotokoll des steirischen herbstes ist heuer „ein besonderes Jahr“, betonte Leiterin Elke Tschaikner bei der Programmpräsentation am Montag. Coronabedingt wird es „auch ein Medienfestival“, da alle Konzerte - 32 Ur- und drei österreichische Erstaufführungen - im Radio bzw. Internet zu hören sind. Das Programm reicht vom Stream-Projekt „tingles & clicks“ über „Electric Walks“ bis zu Konzerten mit dem Radio Symphonie Orchester (RSO) und dem Klangforum Wien.

„Hidden sounds“ begibt sich „auf die Suche nach kaum hörbaren, kaum wahrnehmbaren, vielleicht tabuisierten Klängen“, schilderte Tschaikner. Auch die Verwendung digitaler Elemente ist vielfältig: „Einfach ins Netz zu gehen war uns zu wenig“, erklärte sie und verwies auf die große Anzahl der Projekte, die anders als sonst ablaufen. Bereits seit 1. Oktober läuft „tingles & clicks“, eine Auftragsarbeit, die jeder zuhause erleben kann. Nötig sind ein PC und eine Web-Cam, erläuterte Kurator Fränk Zimmer, dann kann man der „Komposition für interaktive Klangumgebung“ lauschen. Die Navigation erfolgt mit dem Gesicht, wobei aber keine Daten gespeichert würden und „alles am eigenen PC bleibt“, versicherte Zimmer.

Bespielt wird unter anderem auch der neue Stadtbalkon am Murufer: Josef Klammer und Seppo Gründler haben speziell für diesen Ort eine Aufführung mit Klang, Licht und Text konzipiert. Die Ufer dienen dabei als Projektionsflächen; unterschiedliche Stadträume werden visuell und akustisch miteinander verknüpft. Das Libretto stammt von Volha Hapeyeva, der Grazer Stadtschreiberin 2019/2020, und wird von der Schauspielerin Ninja Reichert interpretiert. Mit seinem „Visual Piano“ kreiert Medienkü̈nstler Kurt Laurenz Theinert dazu live abstrakte Lichträume.

Spannend im elektrischen Sinn wird es beim Stadtspaziergang mit Christina Kubisch. „Electric Walk“ nennt sich das Projekt, bei dem das Publikum die „Klangwelt der elektromagnetischen Felder“ erfahren kann. Dazu gibt es Spezialkopfhörer, die diese Geräusche in wahrnehmbare Töne übersetzen.

Mit dem Klang von Metall beschäftigt sich die Künstlerin Electric Indigo schon lange, nun ist sie mit „Ferrum“ beim musikprotokoll vertreten. In acht Stücken erkundet die Musikerin den klanglichen Reichtum von Eisen und anderen Metallen - mit Händen und Schlägeln in Schwingung versetzte Metallplatten, auf metallische Oberflächen prasselnde Muttern und Schrauben. Sie präsentiert „Ferrum“ in einer neuen Version, die speziell für die Ambisonics-Anlage des Dom im Berg entstanden ist. Die ergänzenden Videos entwickelte die Künstlerin aus den Farben einer Schautafel, auf der verschiedene Eisenerze abgebildet sind.

Zu hören sind außerdem das RSO unter Chefdirigentin Marin Alsop, unter anderem mit Werken von Kaija Saarihao. Das Klangforum Wien ist mit „I can[SIBNGLEOPEN]t breathe“ von Georg Haas zu Gast. Der Komponist schrieb das Stück im Gedenken an den 2014 von US-Polizisten ermordeten Afroamerikaner Eric Garner und betont damit seine Solidarität mit den Demonstranten der „Black Lives Matter“-Bewegung.

Da in diesem Jahr aufgrund der Corona-Maßnahmen weniger Plätze als sonst verfügbar sind, wird das gesamte Programm ab 26. Oktober im Internet zu sehen sein. Die Karten müssen heuer im Vorfeld online oder im Büro des steirischen herbstes in der Herrengasse gekauft werden, da es keine Abendkasse geben wird. Auch für Veranstaltungen mit freiem Eintritt ist eine vorherige Registrierung notwendig.

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