Tiroler Selbstständige erzählen: „Ohne Leidenschaft schaffst du es nicht“

Die einen mit einem Frühstückslokal am Wiltener Platzl, die anderen mit Hundewaffeln und -keksen: Wer eine Firma gründet, braucht nicht nur eine gute Idee. Auch Leidenschaft, Mut und Ausdauer gehören dazu.

Von Biskuitroulade bis Hundekekse: Jannah Quathamer und Karin Kaufmann machten sich vor mittlerweile fünf Jahren mit ihrem Lokal Immerland selbstständig (links), Hundewaffeln und Weihnachtskekse für Hunde sind die Geschäftsidee von Stefanie Dallapozza (rechts).
© Florian Lechner, Adrian Ehrbar Photography

Von Nina Zacke

Innsbruck, Aldrans – Weihnachtskekse, Bananensterne oder Hanfbeißer, Hundewaffeln, Katzen-Tutti-Frutti: Das Sortiment des Tiroler Unternehmens Schnuffi & Keksi ist neu und innovativ. „Wir wollten etwas Ausgefallenes für Hunde & Co machen, das es in Tirol noch nicht gibt“, erklärt die Geschäftsführerin Stefanie Dallapozza. Vor drei Jahren hatte Dallapozza gemeinsam mit ihrem Mann die Idee, Weihnachtskekse und Waffeln für Hunde anzubieten, und sie verkauften diese am Christkindlmarkt.

„ Wir wollten etwas Ausgefallenes für Hunde & Co machen, das es in Tirol noch nicht gibt.“ – Stefanie Dallapozza 
(Schnuffi & Keksi-Gründerin)
© privat

Der erste Stand kam bei den Tirolern sehr gut an, das Geschäft lief. Im zweiten Jahr erhielten sie deswegen sogar einen Doppelstand am heiß begehrten Christkindlmarkt am Marktplatz. Prompt wurde das Angebot erweitert: Kekse für Allergiker-Hunde, Riesenknochen, Hundehalsbänder im originellen Design. Und die Nachfrage nach den ausgefallenen Leckerlis für Vierbeiner ließ nicht nach: „Es kamen Kunden zu uns, die nur für die Kekse und Waffeln aus der Steiermark oder von Salzburg anreisten“, erzählt die Aldranserin.

Dabei ist die Qualität der Produkte für Dallapozza enorm wichtig: Alles wird in Österreich produziert, die Kekse macht eine Manufaktur in Wien, die Waffeln, mit Topfen, Heidelbeere oder Hanf, backt die Unternehmensgründerin selber. Schon bald fragte die Kundschaft nach, wo sie das Sortiment auch während des Jahres kaufen kann. Daher: Anfang des kommenden Jahres wird nun endlich das Geschäftslokal in Aldrans eröffnet.

„Richtige Unternehmer probieren es einfach aus und wachsen dadurch“

Der Weg in die Selbstständigkeit ist kein einfacher. Dennoch ist in Tirol in den letzten zehn Jahren ein leichter Anstieg an Unternehmensgründungen zu beobachten. Gut 11 Prozent der Erwerbstätigen sind es in ganz Österreich. Laut aktuellen Zahlen von Statistik Austria liegt der Selbstständigen-Anteil deutlich unter dem EU-Schnitt.

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Die Hundewaffeln kommen nicht nur bei Tiroler Hundebesitzern gut
© privat

Für Dallapozza wurde mit der Gründung von Schnuffi & Keksi ein Traum wahr. Die Hundebesitzerin wollte beruflich schon immer etwas mit Tieren machen. Die Entscheidung, sich selbstständig zu machen, fiel jedoch auch ihr nicht leicht. „Ohne die Unterstützung meines Mannes hätte ich es wohl nie gewagt, aus der Sicherheit des Angestelltenverhältnisses auszusteigen“, gesteht die Unternehmensgründerin ein, die vorher in einer Bank gearbeitet hat. Dass viele Angst hätten zu scheitern, sei für ihren Ehepartner kein Grund, es nicht zu probieren. Dieser habe sich bereits mit Anfang zwanzig selbstständig gemacht. „Nur aus Fehlern lernt man, richtige Unternehmer probieren es einfach aus und wachsen dadurch“, sagt er.

Warum im Vergleich dennoch so wenige Menschen den Schritt wagen, sieht der Unternehmer im Schulsystem begründet. „Es bildet einen eben zum Angestellten aus und bringt einem nicht bei, Unternehmer zu sein“, kritisiert Dallapozza. Ein erfolgreicher Unternehmer erzählte dem Paar einmal vor Jahren sein Geheimnis: „Was du liebst, liebt auch dich“, lautete dessen Ratschlag.

„Es ist sehr mutig, auf sein Bauchgefühl zu hören“

Genauso viel Leidenschaft für ihr Unternehmen legen Jannah Quathamer und Karin Kaufmann seit mittlerweile fünf Jahren an den Tag. Die beiden Frauen sind die Gründerinnen des Frühstückslokals Immerland am Wiltener Platzl. Quathamer und Kaufmann lernten sich damals als Angestellte in einem Gastronomiebetrieb kennen und beschlossen daraufhin, dass es einen Ort brauche, der anders wäre. „Ein Ort, an dem alle gemeinsam essen können, egal welche Ernährungsweise man hat, verträgt oder empfohlen wird, durchwoben von unserer eigenen Note“, erklärt Kaufmann. Und die persönliche Note findet sich in der Einrichtung genauso wie in ihren selbstgemachten Produkten: ob im Karottengrünpesto, Chai-Sirup, der Apfel-Cranberry-Marmelade, den Raw Tartes oder Kaffeekeksen.

„Du musst es mit Leidenschaft machen, sonst schaffst du es nicht.“ – Karin Kaufmann (Immerland)
© Florian Lechner

Bei der Unternehmensgründung hörten die Innsbruckerinnen mehr auf ihr Bauchgefühl denn darauf, was andere zur Selbstständigkeit mit all ihren Risiken zu sagen hatten. „Es ist nämlich sehr mutig, auf sein Bauchgefühl zu hören“, ergänzt Quathamer. Der Erfolg der vergangenen fünf Jahre liegt mitunter auch an ihrer Authentizität. Wichtig sei es, seiner Linie treu zu bleiben. Das spüren die Kunden, betont Kaufmann. Obwohl sie von Beratern schon Vorschläge für einen geringeren Wareneinsatz bekamen, legen die beiden nach wie vor Wert auf Selbermachen und Qualität: „Samstags kaufen wir selber am Bauernmarkt ein, denn es braucht ein gutes Produkt und das wertschätzen die Leute“, so Kaufmann.

„Freiheit und Unfreiheit zugleich“

Die Corona-Krise traf die Idealistinnen, wie viele Selbstständige, hart. Auf die finanziellen Einbußen des Lockdowns reagierten sie jedoch schnell und eigeninitiativ mit der Crowdfunding-Kampagne „Rettet unser Cafe Immerland am Wiltener Platzl“. Mit insgesamt 9479 Euro unterstützten Stammgäste und Freunde das Lokal. Damit konnte ein Teil der Fixkosten abgedeckt werden. „Davon waren wir total überwältigt, manche Stammgäste haben sogar mehrfach gespendet“, erzählen Quathamer und Kaufmann. Dennoch mussten die Frauen zusätzlich einen Kredit aufnehmen, um die Zeit finanziell zu überbrücken. Die Selbstständigkeit ist eben ein zweischneidiges Schwert: „Es ist Freiheit und Unfreiheit zugleich, auf der einen Seite können wir es so machen, wie wir wollen, und auf der anderen Seite tragen wir immer auch ein Risiko, sei es Corona oder ein anderes“, bringt es Quathamer auf den Punkt.

Auf die Frage, ob es schlussendlich eine gute Idee, Mut oder Ausdauer brauche, um sich selbstständig zu machen, antworten sie: „Von allem ein bisschen.“ Man müsse sich im Klaren sein, dass man Verantwortung trage, für Mitarbeiter, Kunden und sich selbst. Wer am Tag 100 Leute verköstige, stelle sich auch selber zurück, sagt Kaufmann. „Du musst es mit Leidenschaft machen, sonst schaffst du es nicht“, bekräftigt die Gründerin.

Gründerservice Tirol der Wirtschaftskammer

Der Weg in die Selbstständigkeit: Das Gründerservice Tirol berät von der ersten Analyse der Geschäftsidee über alle Fragen rund um Steuer-, Sozialversicherungs- oder Gewerberecht bis zur Gewerbeanmeldung.

Online-Gründerworkshop: Das Gründerservice der Wirtschaftskammer Tirol bietet am 14.10.2020 in der Zeit von 14.30–17.00 Uhr einen kostenlosen Online-Gründerworkshop für interessierte Neugründer. Bei dieser Skype-Veranstaltung werden die wichtigsten Grundinformationen zum Thema Selbstständigkeit besprochen. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Mehr Infos unter gruenderservice.at/tirol


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