Hektische Aktivitäten eines kranken Präsidenten: Trump schwer zu bremsen

Trump stoppte das Corona-Hilfspaket, aber vielleicht auch nicht: Das Hin und Her beflügelte Spekulationen über Nebenwirkungen der Medikamente, die Trump erhalten hatte.

Ein Raum für Journalisten im Weißen Haus wird desinfiziert. Mindestens drei Reporter haben sich in Trumps Umgebung angesteckt.
© imago

Von Floo Weißmann

Washington – Das politische Amerika erwartete gestern mit Spannung die TV-Debatte der Vizekandidaten Mike Pence (Republikaner) und Kamala Harris (Demokraten). Während die Auseinandersetzung der „running mates“ sonst eher als Randerscheinung des Wahlkampfs gilt, hat die Covid-19-Erkrankung von Präsident Donald Trump die möglichen Ersatzleute für das Weiße Haus heuer plötzlich ins Zentrum gerückt.

Die Debatte war für den frühen Abend (Ortszeit) in Salt Lake City angesetzt. Für neuen Stoff hatte im Vorfeld wieder einmal der Präsident via Twitter gesorgt. Am Dienstag (Ortszeit) gab er zunächst bekannt, dass es bis zur Wahl keine weiteren Verhandlungen mit den Demokraten über ein Corona-Hilfspaket mehr geben werde, was umgehend für Turbulenzen an den Börsen sorgte. Wenige Stunden später forderte er aber, ihm einzelne Maßnahmen, die Teil des Hilfspakets sein sollten, umgehend zur Unterschrift vorzulegen.

Spekulationen über Nebenwirkungen

Das Hin und Her beflügelte Spekulationen über Nebenwirkungen der Medikamente, die Trump erhalten hatte. Mitarbeiter des Weißen Hauses würden sich fragen, ob das Verhalten des Präsidenten mit dem Steroid Dexamethason zusammenhängt, berichtete die New York Times. Dieses könne Stimmungsschwankungen und eine falsche Wahrnehmung von der eigenen Energie auslösen.

Experten kritisierten, dass das Weiße Haus kein vollständiges Bild vom Gesundheitszustand des Präsidenten vermittelt habe. Und sie warnten, dass der Zeitraum von sieben bis zehn Tagen nach den ersten Symptomen besonders heikel sei. Dieser Zeitraum dürfte in Trumps Fall erst noch bevorstehen.

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Dennoch soll der Präsident schwer zu bremsen sein in seinem Bemühen, fit zu erscheinen. US-Medien berichteten unter Berufung auf Insider, dass er – obwohl vermutlich ansteckend – unbedingt ins Oval Office zurückwollte und außerdem noch am Dienstagabend eine TV-Ansprache vorgesehen hatte. Dazu kam es dann aber doch nicht.

Rundumschlag auf Twitter

Stattdessen holte Trump auf Twitter zum Rundumschlag aus. Beispielsweise behauptete er in Großbuchstaben, die Demokraten wollten Kirchen dauerhaft schließen, und nannte seinen Herausforderer Joe Biden einen Spinner mit sehr niedrigem IQ.

Via Twitter ließ Trump auch wissen, dass er vorhabe, zur zweiten TV-Debatte gegen Biden nächste Woche anzutreten. Dieser erklärte jedoch, dass die Debatte abgesagt werden solle, falls Trump keinen negativen Test hat.

Die Situation im Weißen Haus wurde indessen als chaotisch beschrieben. Mindestens 14 Mitarbeiter oder Personen aus Trumps engster Umgebung wurden bisher positiv getestet, darunter Trumps Redenschreiber und Einflüsterer Stephen Miller. Medien zufolge gibt es in der Belegschaft große Verunsicherung, viele blieben zuhause, es mangle an Richtlinien und Schutzmaßnahmen.

Wegen der Erkrankung eines hohen Admirals ist auch fast die gesamte Militärführung der USA in Quarantäne.


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