SOS-Kinderdorf in Imst: Zuwachs, dort wo alles begann

Zwei neue Wohngruppen für 18 Kinder und Jugendliche konnten gestern in Imst offiziell im weltweit ersten SOS-Kinderdorf ihrer Bestimmung übergeben werden.

Der „Schlüssel zum Glück“ ist übergeben: SOS-Kinderdorf-GL Wolfgang Katsch mit Jörg Schmidt vom SOS-Kinderdorf in Imst, LR Gabriele Fischer und BM Stefan Weirather (v. l.) vor den Neubauten in Imst.
© Parth

Von Thomas Parth

Imst – „Wir stehen heute da, wo alles begonnen hat“, zeigt sich LR Gabriele Fischer ergriffen: „Nichts nimmt Menschen emotional so mit wie das Schicksal von Kindern!“ In den vergangenen Jahren habe sich vieles verändert im Zugang zum Thema Kindererziehung, im Umgang und dabei, wie man versucht, Kinder in die Mitte der Gesellschaft hereinzuholen. „Der grundsätzliche Gedanke bleibt bestehen: Kinder brauchen ein Zuhause. Sie brauchen einen Ort, wo sie liebevoll und beschützt aufwachsen können. Falls das nicht in der eigenen Familie möglich ist, dann ist es eine gesellschaftliche Verpflichtung, den Kindern eine Heimat zu geben, wo sie Wurzeln schlagen können und viel Lieben finden“, unterstreicht die Tiroler Landesrätin für Kinder- und Jugendhilfe. Fischer lobt die Ansätze, auch die Eltern in diese Form der Familienarbeit mit zu integrieren: „Wir können nicht den Kindern Mut zusprechen und sie von ihren Herkunftsfamilien trennen. Eine gute, liebevolle Betreuung und eine hervorragende Architektur kann im Zusammenspiel das Konstrukt Familie wieder flott machen.“

Nach einer Wohngruppe in Absam und zwei Wohngruppen in Nußdorf-Debant hat nun auch Imst zwei Wohngruppen zu je neun Kindern und Jugendlichen erhalten.

„Letzter Backstein“ fehlt noch

„Die Kinder und Jugendlichen waren von Beginn an voll mit dabei“, bestätigt Jörg Schmidt vom Imster SOS-Kinderdorf: „Wir haben sie in die Entstehung über die Einrichtung der neuen Gebäude mit eingebunden. Sie haben fleißig mitgeholfen.“ Schmidt streut auch dem Architektenteam Rosen: „Von der Abriss­party, als es um den Rückbau der Bestandsgebäude ging, bis zur Gestaltung des Neubaus in moderner Glas-Beton-Holzoptik hat unser Architekt Harald Kröpfl aus Landeck bewiesen, dass er zuhören kann.“ Diese Rücksichtnahme und das Eingehen auf die jeweiligen Bedürfnisse ziehe sich wie ein roter Faden durch die Gebäude.

„Wir können stolz und zufrieden sein, dass für unsere Schützlinge, die nicht gerade die Sonnenseite des Lebens zu bewältigen haben, ein modernes Gebäude entstanden ist. Hier bekommen sie den so wichtigen Rückzugsraum“, lobt Schmidt. „Der letzte Backstein“ fehle allerdings noch, so Schmidt. Damit spielt er auf die letzten 100.000 Euro an, die die Bausumme von 3 Millionen Euro komplettieren würden. Denn ursprünglich wollte sich Standortbürgermeister Stefan Weirather aus Imst um diesen Betrag bemühen, was durch die Corona-Krise jedoch vorerst zurückgestellt wurde.

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Das angesprochene Stadt­oberhaupt sieht den „Standort Imst“ durch die Neubauten abgesichert. „Hermann Gmeiner ist mit Müttern ins SOS-Kinderdorf eingezogen, um Waisenkindern eine Zukunft zu geben. Heute stammen die Schutzbedürftigen aus zerrütteten Familien. Darauf ist man bei der Umsetzung eingegangen“, lobt Weirather. Die Stadtgemeinde habe in den letzten Jahren die Erschließungskosten erlassen und den Kindergarten übernommen und versuche auch weiterhin SOS-Kinderdorf zu entlasten, so gut es gehe. „Ich danke allen Beteiligten für ihren Einsatz“, schließt Weirather.


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